Der 4. August: Fest des heiligen Dominikus und Jahrestag von Aeterni Patris (1879)

Certamen
Aeterni Patris von Leo XIII. trägt das Datum 4. August 1879, den Tag, an dem der Kalender von 1962 das Fest des heiligen Dominikus verzeichnet.

Der überlieferte römische Kalender von 1962 feiert am 4. August den heiligen Dominikus, den Gründer des Predigerordens. Am selben Kalendertag des Jahres 1879 unterzeichnete Papst Leo XIII. die Enzyklika Aeterni Patris und rief die ganze Kirche zur Erneuerung der christlichen Philosophie im Geist des heiligen Kirchenlehrers Thomas von Aquin auf. 

Die Diagnose des Papstes ist unbequem und aktuell geblieben. In Nr. 2 heißt es: „Wer seine Aufmerksamkeit auf die bitteren Kämpfe dieser Tage richtet und nach einem Grund für die Nöte sucht, die das öffentliche und das private Leben quälen, muss zu dem Schluss kommen, dass eine fruchtbare Ursache der Übel, die uns jetzt bedrängen wie auch derer, die uns drohen, darin liegt: dass falsche Schlussfolgerungen über göttliche und menschliche Dinge, die ihren Ursprung in den Schulen der Philosophie hatten, nun in alle Ordnungen des Staates eingedrungen sind und von der allgemeinen Zustimmung der Massen angenommen wurden.“

Der Irrtum beginnt meistens im abstrakten Denken, in der Philosophie. Und weil das so ist, weist Leo XIII. der Philosophie einen hohen Rang zu. In Nr. 7 heißt es: „Daher ist es der Ruhm der Philosophie, als Bollwerk des Glaubens und als starke Verteidigung der Religion geschätzt zu werden.“ 

Der eigentliche Auftrag folgt in Nr. 31: „Wir ermahnen Euch, verehrungswürdige Brüder, mit allem Ernst, die goldene Weisheit des heiligen Thomas wiederherzustellen und sie weit und breit zu verbreiten, zur Verteidigung und zur Schönheit des katholischen Glaubens, zum Wohl der Gesellschaft und zum Nutzen aller Wissenschaften.“

Über den engelsgleichen Doktor selbst urteilt Leo XIII. in Nr. 18, dieser habe sich den Titel der Auszeichnung dadurch erworben, dass er im Alleingang siegreich die Irrtümer früherer Zeiten bekämpft und unbesiegbare Waffen bereitgestellt habe, um jene zu schlagen, die in späteren Zeiten aufkommen könnten.

Die Familie des heiligen Dominikus: Der Dominikanerorden

Die Enzyklika selbst nennt den Predigerorden der Dominikaner. In Nr. 19 schreibt der Papst, es sei bekannt, dass beinahe alle Gründer und Gesetzgeber der Ordensgemeinschaften ihren Mitgliedern befohlen hätten, die Lehre des heiligen Thomas zu studieren und ihr gewissenhaft anzuhängen, aus Furcht, einer von ihnen könnte auch nur im Geringsten von den Fußspuren eines so großen Mannes abweichen. 

Und weiter: „Um von der Familie des heiligen Dominikus nicht zu reden, die diesen großen Lehrer mit Recht als ihren eigenen Ruhm beansprucht: Die Statuten der Benediktiner, der Karmeliten, der Augustiner, der Gesellschaft Jesu und vieler anderer bezeugen alle, dass sie an dieses Gesetz gebunden sind.“

Wer war dieser Dominikus? 

Geboren um 1170 in Calaroga in Altkastilien, gestorben am 6. August 1221. 1184 bezog er die Universität Palencia, wo er zehn Jahre blieb und mit solchem Eifer und Erfolg studierte, dass er den Studenten als Vorbild dessen hingestellt wurde. Inmitten der Zerstreuungen einer Universitätsstadt fiel er durch Ernst und Strenge auf.

Doch unter dieser Strenge lag ein weiches Herz. Einmal verkaufte er seine Bücher, die er mit eigener Hand mit Anmerkungen versehen hatte, um die hungernden Armen von Palencia zu unterstützen. 

Sein Biograph und Zeitgenosse Bartholomäus von Trient berichtet, dass er zweimal versuchte, sich selbst in die Sklaverei zu verkaufen, um Geld für die Befreiung derer zu erlangen, die von den Mauren in Gefangenschaft gehalten wurden. 

1203 führte eine königliche Gesandtschaft ihn und seinen Bischof Diego d’Azevedo durch Toulouse. Dort sahen die beiden mit Staunen und Trauer das Werk der geistlichen Verwüstung, das die albigensische Häresie angerichtet hatte. 

In der Betrachtung dieser Szene fasste Dominikus den Gedanken, einen Orden zu gründen, um die Häresie zu bekämpfen und das Licht des Evangeliums bis an die Enden der damals bekannten Welt zu predigen.

1206 gründete er mit Erlaubnis des Bischofs Foulques von Toulouse das Kloster Prouille, um die Frauen des Landes dem Einfluss der Häretiker zu entziehen. Am 25. April 1215 entstand das erste Konvent des Predigerordens, im Juli desselben Jahres errichtete Foulques die Gemeinschaft kanonisch als Ordenskongregation seiner Diözese, deren Sendung die Verbreitung der wahren Lehre und guter Sitten und die Ausrottung der Häresie war.

Auf dem Konzil im November 1215 wurde seine Bitte um Bestätigung zunächst abgelehnt, denn das Konzil widersetzte sich der Einrichtung neuer Orden. Dominikus ließ seine Gefährten daraufhin die alte Regel des heiligen Augustinus annehmen, trat im August 1216 erneut vor den Papst, und am 22. Dezember 1216 wurde die Bulle der Bestätigung ausgestellt.

Am 15. August 1217 versammelte er die Brüder in Prouille und fasste den heroischen Plan, seine kleine Schar von siebzehn noch ungeformten Gefährten über ganz Europa zu zerstreuen. Menschlicher Klugheit musste das dem Selbstmord gleichkommen. 

Der Erfolg bewies die Weisheit der Tat. Von den Bekehrungen seiner Predigt in der Lombardei heißt es, es seien 100 000 Ungläubige durch seine Predigt und seine Wunder bekehrt worden.

Dreimal wurde versucht, ihn auf einen Bischofsstuhl zu heben, in Béziers, in Comminges und für Navarra. Dominikus lehnte alle bischöflichen Ehren strikt ab und sagte, er würde lieber bei Nacht mit nichts als seinem Stab die Flucht ergreifen, als das Bischofsamt annehmen. 

Am 13. Juli 1234 unterschrieb Gregor IX. die Bulle der Kanonisation und erklärte, er zweifle an der Heiligkeit des heiligen Dominikus nicht mehr als an der des heiligen Petrus und des heiligen Paulus.

Wenn er die Häresie verabschaute und unermüdlich für ihre Ausrottung arbeitete, dann deshalb, weil er die Wahrheit liebte und die Seelen jener liebte, unter denen er arbeitete. 

Was aus dem Auftrag von 1879 wurde

Der Auftrag Leos XIII. fand Eingang in das Gesetzbuch der Kirche. Der Codex Iuris Canonici von 1917 bestimmte in can. 1366 §2: „§2. Die Professoren sollen das Studium der rationalen Philosophie und der Theologie sowie die Ausbildung der Alumnen in diesen Fächern durchweg nach Methode, Lehre und Prinzipien des Engelsgleichen Doktors behandeln und daran heilig festhalten.“

Der Codex von 1983 formulierte es für die Seminaristenausbildung in can. 252 §3 schon anders: „§ 3. Es sind Lehrveranstaltungen in dogmatischer Theologie anzubieten, die stets auf der Heiligen Schrift und der heiligen Überlieferung gründen. Durch sie sollen die Seminaristen – vor allem unter der Anleitung des heiligen Thomas – lernen, tiefer in die Geheimnisse des Heils einzudringen.“

Wer wissen will, warum die Ausbildung des Klerus in den vergangenen Jahrzehnten immer schlechtere Früchte trug, findet in diesen zwei Formulierungen einen ersten Anhaltspunkt.

Und Leo XIII. selbst hat den Grund benannt. In Nr. 24 beschreibt er, was geschieht, wenn jeder Lehrstuhl seine eigene Philosophie mitbringt: Ein solches vielförmiges System, das von der Autorität und der Wahl irgendeines Professors abhänge, habe ein für Veränderung offenes Fundament und gebe uns folglich eine Philosophie, die nicht fest, stabil und robust sei wie die alte, sondern schwankend und schwach. 

Am 4. August treffen sich somit zwei Antworten auf dieselbe Not. Dominikus zog gegen die albigensische Häresie nicht mit dem Schwert, sondern mit dem Wort, mit der Armut und mit der Disputation, und er stellte sich in den theologischen Streitgesprächen den Irrlehrern seiner Zeit persönlich. Leo XIII. antwortete auf die Irrtümer seiner Zeit, indem er der Kirche den Lehrer zurückgab, der aus dem Predigerorden der Dominikaner hervorgegangen war.

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