Bischof Schneider in Pittsburgh: Christus siegt über die „feindliche Übernahme“ in der Kirche

Certamen
Weihbischof Athanasius Schneider sprach auf der Catholic Identity Conference 2026 von einer beispiellosen Krise der Kirche und rief zu Gebet und Sühne auf.
KI-Bild: Ein Bischof steht von hinten gesehen am Rednerpult vor einem gefüllten Konferenzsaal, neben ihm ein Kruzifix auf dem Podium.

Mit schonungslosen Worten hat Weihbischof Athanasius Schneider die Lage der Kirche beschrieben und jede Verzagtheit zugleich zurückgewiesen. Seine Antwort auf die Krise ist die der Heiligen: beten, opfern, Sühne leisten und dem Herrn vertrauen, der im Boot nur zu schlafen scheint.

Am Abend des 3. Oktober hielt Athanasius Schneider, Weihbischof von Astana (Kasachstan), die Hauptrede der Catholic Identity Conference 2026. Das Treffen traditionsverbundener Katholiken fand vom 2. bis 4. Oktober im DoubleTree Hotel in Green Tree am Stadtrand von Pittsburgh (Pennsylvania) statt. Veranstalter ist die Zeitung The Remnant, die den vollständigen Redetext am 10. Oktober veröffentlichte.

Schneider stellte seinen Vortrag unter den Titel „Der Sieg Christi über die feindliche Übernahme innerhalb der Kirche“. Nach Angaben von InfoVaticana ist er der einzige Referent, der an allen Ausgaben teilgenommen hat, seit der Kongress internationale Ausstrahlung erlangte.

Ein Kongress in schwerer Stunde für die überlieferte Messe

Neben Schneider sprachen unter anderem der Liturgiker Peter Kwasniewski, Weihbischof Robert Mutsaerts von ’s-Hertogenbosch und Eduard Habsburg-Lothringen, Botschafter Ungarns beim Heiligen Stuhl. Erstmals war auch die Priesterbruderschaft St. Pius X. mit einer offiziellen Stimme vertreten, durch James Vogel, Kommunikationsdirektor ihres US-Distrikts.

Für die überlieferte Messe im gastgebenden Bistum war es eine schwere Zeit. Wie InfoVaticana berichtet, hatte sich Bischof Mark Eckman nicht an Rom gewandt, um die Genehmigung für die Feier des alten Ritus in der Kirche St. Titus in Aliquippa zu erneuern. Die letzte Messe dort fand am 4. September statt.

Seitdem bleibt im Bistum Pittsburgh nur die Personalpfarrei Most Precious Blood of Jesus, die das Institut Christus König und Hohepriester betreut. So wirkt die einschränkende Verfügung Traditionis custodes von 2021 bis heute fort. Wo eine Genehmigung nicht erneuert wird, verlieren Gläubige die Messe, aus der Generationen von Heiligen gelebt haben.

Eine Krise, die den ganzen Leib erfasst

Schneider begann mit dem Trostwort des Herrn beim Letzten Abendmahl: „In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber habt Vertrauen, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33).

Dann folgte die Diagnose. Gottes unerforschliche Vorsehung habe zugelassen, dass wir Zeugen einer beispiellosen Krise der Kirche seien. Schneider sprach von „einer feindlichen Übernahme an den strategischen Schaltstellen der kirchlichen Verwaltung“. Kennzeichen seien „nicht nur giftige Zweideutigkeiten in der Lehre, sondern sogar unverhohlene Häresien in den Reihen des hohen Klerus“. Diese Entwicklung komme „in manchen Fällen dem Glaubensabfall nahe“.

Die Welt, vor der Christus gewarnt hat, sei in den letzten sechzig Jahren so tief in die Strukturen der Kirche eingedrungen, dass sie deren strategische Verwaltungsposten besetzt zu haben scheine. Wörtlich sagte Schneider: „Wer Frieden schließt mit einer Gesellschaft oder Kultur, die die göttliche Offenbarung und die Einzigartigkeit Christi als Erlöser ablehnt, gibt sich einer völligen Illusion hin oder verrät Christus.“

Er erinnerte an Papst Paul VI., der am 29. Juni 1972 gesagt hatte, „der Rauch Satans“ sei „durch irgendeinen Spalt in den Tempel Gottes eingedrungen“. Bischof Manoel Pestana von Anápolis in Brasilien, Schneiders Lehrer, der ihn zum Priester geweiht hatte, ging 1988 noch weiter. Der Teufel sei durch die Haupttüren eingezogen.

Die arianische Krise des vierten Jahrhunderts, die die Gottheit Christi leugnete, habe die ganze Kirche angesteckt, sich aber auf ein Thema konzentriert. „Heute ist die Krise umfassend. Es ist wie bei einem Körper, in dem die Krankheit nicht nur ein Organ befallen hat, sondern alle.“ Lehre, Moral, Liturgie und Disziplin seien gleichermaßen betroffen.

Am Ausgang ließ Schneider keinen Zweifel. „Tödlich ist diese Krankheit nicht, denn die Kirche ist unzerstörbar.“

Den schlafenden Herrn wecken

Zwei Bilder aus dem Evangelium trugen die Rede. Das erste ist das Boot im Sturm, in dem der Herr schläft, während das Wasser die Apostel zu verschlingen droht. Wie Christus damals aufstand und dem Sturm gebot, so werde Er auch diesem Sturm gebieten, sagte Schneider. Den Zeitpunkt kenne niemand.

Vor vielen Jahren hielt Kardinal Robert Sarah Exerzitien für eine Gruppe von Bischöfen, an denen Schneider teilnahm. Der Kardinal verglich die Kirche mit diesem Boot. „Wir müssen den Herrn wecken!“, rief er den Bischöfen zu. Darauf fragte einer von ihnen: „Eminenz, wenn auch wir schlafen, wer soll dann den Herrn wecken?“

Geweckt werde der Herr, so Schneider, „vor allem durch einen geistlichen Sturm des Gebets, durch die vielen Opfer, die wir in Liebe darbringen, und durch Akte der Sühne“.

Dazu erzählte er von einer Begegnung mit Kardinal Joseph Zen in Hongkong, der die überlieferte lateinische Messe und den gregorianischen Choral liebt. Nach seinem liebsten Gesang gefragt, antwortete der Kardinal: „Den Introitus von Sexagesima“.

Dann stimmte Zen die Melodie selbst an, mit großer Inbrunst: „Exsúrge, quare obdórmis, Dómine? exsúrge, Dómine, ádjuva nos, et líbera nos.“ (Erhebe Dich, warum schläfst Du, Herr? Erhebe Dich, Herr, hilf uns und befreie uns.)

Weizen und Unkraut wachsen bis zur Ernte

Das zweite Bild ist das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut. Schneider zitierte ausführlich den heiligen Augustinus, der die Kirche auf Erden einen gemischten Leib nannte, ein corpus permixtum aus Guten und Bösen. Selbst auf den hohen Sitzen gebe es Weizen und Unkraut, so Augustinus, und ebenso unter den Laien. „Die Guten sollen die Bösen ertragen, die Bösen sich bessern und den Guten nacheifern.“

Auch an den heiligen Athanasius erinnerte Schneider, der die unter der arianischen Irrlehre leidenden Gläubigen tröstete, als andere ihre Kirchen gewaltsam in Besitz genommen hatten. „Gegen euren Glauben wird niemals jemand ankommen, geliebte Brüder, und wir glauben, dass Gott uns eines Tages unsere Kirchen zurückgeben wird.“

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Die Kleinen tragen die Kirche

Hoffnung gehört nach Schneiders Worten zum Wesen des Christseins. Er erinnerte an den Ruf der Liturgie Ave crux, spes unica (Sei gegrüßt, o Kreuz, du einzige Hoffnung). Wer seine Leiden mit dem Kreuz Christi vereint, leidet nicht umsonst. „Eines Tages werden wir dem Herrn für jeden Augenblick danken, den wir hier auf Erden leiden mussten, ja sogar dafür, dass wir in einem so gewaltigen Sturm in der Kirche gelebt haben.“

„Der Herr erneuert die Kirche in unseren Tagen, und Er beginnt bei den Kleinen“, sagte Schneider. Er nannte kinderreiche katholische Familien, verborgene Ordensfrauen im kontemplativen Leben, Einsiedler und junge Menschen, die den wahren Glauben und die wahre Liturgie lieben. Dazu kämen „junge Seminaristen und Priester, die den wahren katholischen Glauben und die wahre Liturgie aller Zeiten lieben“. Und weiter: „Das sind Zeichen der Hoffnung.“

Wie stark die Kleinen sein können, zeigte er an den Märtyrern von Abitene in Nordafrika. Zu Beginn des vierten Jahrhunderts, in der Verfolgung unter Diokletian, feierte der Priester Saturninus heimlich die Sonntagsmesse, als die Polizei den Raum stürmte und alle verhaftete. Unter ihnen war Hilarion, ein Kind von sechs Jahren.

Vor dem Richter bekannte der Junge: „Ich bin Christ und war bei der Liturgie. Ich bin freiwillig hingegangen, niemand hat mich gezwungen.“ Der Statthalter drohte, ihm Nase und Ohren abzuschneiden. „Das kannst du tun, Christ bin ich trotzdem“, gab Hilarion zurück.

Auf dem Weg zum Gericht waren die Gefangenen ihrem eigenen Bischof Fundanus begegnet, der eben den Glauben verleugnet hatte. Als der Prokonsul sie zur Hinrichtung zurückschickte, riefen das Kind und die ganze Gemeinde „Dank sei Gott“. Gott lasse zu, folgerte Schneider, dass in manchen Zeiten die Kleinen stärker und treuer im Glauben seien als manche aus dem hohen Klerus.

Von Kardinal Nikolaus von Kues, im 15. Jahrhundert Bischof von Brixen, erzählte Schneider eine Vision. Mehr als tausend Ordensfrauen beteten in einer kleinen alten Kirche und trugen auf ihren Händen Kaiser, Könige, Städte und Länder. Eine junge, schmale Schwester trug den Papst, eine ältere den Kardinal selbst. „Jetzt siehst du, wie die Sünder getragen und gestützt werden, die trotz ihrer Sünden nicht aufgehört haben, Gott zu lieben“, flüsterte ihm sein Begleiter zu. Später fügte der Begleiter hinzu: „Jedes Opfer trägt Frucht.“

„Schenke uns viele heilige Päpste!“

Die Kirche gehe durch eine beispiellose Zeit der Prüfungen, wiederholte Schneider gegen Ende. Dennoch sollten wir „als wahre Katholiken nicht in Zorn, Bitterkeit und Mutlosigkeit verfallen“. Und: „In den inneren Prüfungen dieser Zeit wird die Kirche gereinigt.“

Seine Rede mündete in ein Gebet. Der Herr möge den Heiligen Stuhl „mit heiligen Päpsten“ schmücken, „die weder die Mächtigen dieser Welt fürchten noch sich mit dem Zeitgeist arrangieren“, die den katholischen Glauben bis zum Vergießen ihres Blutes bewahren und die ehrwürdige Liturgie der römischen Kirche weitergeben. Durch die Fürsprache des Unbefleckten Herzens Mariens bat er: „schenke uns heilige Päpste, schenke uns viele heilige Päpste!“

Seine letzten Worte waren ein alter Siegesruf der Kirche: „Christus Vincit!“

Was die Kirche im Sturm betet

Die beiden Bilder, mit denen Schneider die Lage beschrieb, kennt jeder, der die überlieferte Messe mitfeiert. Im Messbuch von 1962 ist das Evangelium vom Sturm auf dem See (Mt 8,23 bis 27) dem vierten Sonntag nach Erscheinung zugewiesen, das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut (Mt 13,24 bis 30) dem fünften. Die Kirche hat ihren Kindern diese Bilder im Kreislauf des Kirchenjahres immer wieder vor Augen gestellt, lange bevor jemand von einer Krise sprach.

In der Vorfastenzeit, am Sonntag Sexagesima, beginnt die Messe dann mit jenem Ruf, den Kardinal Zen in Hongkong anstimmte. Exsurge, erhebe Dich! Die Worte stammen aus dem 43. Psalm nach der Zählung der Vulgata, der Klage eines Volkes, das um des Herrn willen den ganzen Tag dem Tod preisgegeben wird und sich dennoch nicht von Ihm abwendet. Mit diesem Psalm klagt die Kirche dem Herrn, dass Er zu schlafen scheint, und bittet Ihn im selben Atemzug um Hilfe. Ist das nicht die ganze Haltung, um die Schneider in Pittsburgh warb?

Die Kinder von Abitene gingen in den Tod, weil sie die heilige Messe gefeiert hatten. Wo heute junge Familien, Seminaristen und Priester an der überlieferten Messe festhalten, auch wenn ihnen die Kirche vor Ort genommen wird, setzt sich ihr Zeugnis fort. Gott hat seit jeher durch die Kleinen gewirkt.

Der Herr schläft nicht für immer. Wer heute betet, opfert und der überlieferten Messe die Treue hält, gehört zu den Kleinen, mit denen Gott Seine Kirche erneuert.

Beten wir mit Bischof Schneider um heilige Priester, heilige Bischöfe und heilige Päpste, und rufen wir mit dem Introitus von Sexagesima: Exsurge, Domine, adjuva nos! Erhebe Dich, Herr, hilf uns!

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