Christus vincit – mitten im Jugenddorf

Julia Eckert und Clara Ott
Wie fünfzehn junge Katholiken den Katholikentag in Würzburg eroberten

Groß war der Jubel, als wir vor einigen Wochen erfuhren, dass die katholische Jugendbewegung (KJB)[1] mit einem Stand auf dem diesjährigen Katholikentag in Würzburg vertreten sein wird.

Die Katholische Jugendbewegung (KJB) ist eine Gemeinschaft gläubiger Katholiken zwischen 15 und 30 Jahren im deutschsprachigen Raum – getragen von der Begeisterung, dem wahren, unveränderlichen Glauben treu zu bleiben und ihn aus Liebe zu Christus und seiner Kirche neu aufleuchten zu lassen. Dieses Charisma leben wir aus vier Quellen: Gebet, Bildung, Freundschaft und Apostolat.

Bis zuletzt zweifelten wir jedoch daran, ob wir wirklich zugelassen werden. Wird uns in letzter Sekunde eine Ablehnung erreichen? Wird irgendjemand dafür sorgen, dass wir diese erstmals gebotene Gelegenheit doch nicht bekommen?

Selbst bis zum ersten Programmtag an Christi Himmelfahrt geschah jedoch nichts dergleichen. Im Gegenteil: Durch wunderbare Großherzigkeit fanden wir vor Ort nicht nur Aufnahme bei einem Würzburger Gläubigen, sondern wurden sogar täglich mit Mittagessen versorgt.

Unser Stand mitten im sogenannten „Jugenddorf” bot uns die Chance, gerade Jugendliche zu erreichen: Wir hatten ein biblisches Glücksrad entworfen, das viele verlockende Gewinne bereithielt, etwa von KJBlern selbstgestaltete Taschen mit dem Aufdruck „Christus vincit“ oder KJB-Kugelschreiber oder die Möglichkeit, bei uns einen eigenen Rosenkranz zu knüpfen. Besonders die Taschen sorgten für Aufmerksamkeit: Nachdem sie in einem Beitrag von K-TV zu sehen gewesen waren, machten sich zahlreiche Besucher auf dem gesamten Gelände auf die Suche nach unserem Stand, um selbst ihr Glück zu versuchen und eine der Taschen zu gewinnen.

Fünfzehn Jugendliche waren wir, begleitet von zwei Patres. Die Menschen kamen unvoreingenommen und mit großer Offenheit auf uns zu. Von morgens bis abends standen wir an unserem Stand, und es entstanden die unterschiedlichsten, oft sehr bereichernden Gespräche. Nicht alle teilten unsere Ansichten, nicht alle konnten unsere theologischen Überzeugungen nachvollziehen. Was sie aber sahen, waren junge Menschen, die in herzlicher Freundschaft miteinander verbunden sind und ihren Glauben sichtbar und glaubwürdig nach außen tragen.

Um uns herum wurde das Problem der Kirche deutlich sichtbar: Der Altersdurchschnitt bei Veranstaltungen und Ständen war merklich hoch, je konservativer die Stände waren, desto jünger die Interessenten. Kinder, Jugendliche, ja sogar zahlreiche Priester kamen zu uns, suchten das Gespräch undknüpften Rosenkränze; sie erzählten uns ihre Lebensgeschichten und Zweifel – wir konnten ihnen im Gegenzug von uns erzählen: wie wir in der KJB Gott durch die Liturgie und in Freundschaft mit anderen Jugendlichen tiefer kennenlernen durften. Eine Erfahrung, nach der sich viele Menschen sehnen.

Zu Genüge sahen wir während der Tage offene Brüche mit dem katholischen Lehramt: neben Ständen, die für Frauenordination und Sakramentenspendung durch ein „Laienteam“ warben, oder Ständen der katholischen Lesben und Schwulen war die erschreckendste Erfahrung wohl ein Stand für Frauen, die mit Priestern zusammenlebten und frühere endgültige Entscheidungen – wie Ehe oder Priesterweihe – nicht als bindend betrachteten. An anderen Ständen gerieten wir immer wieder in Diskussionen, etwa wenn wir bei Stimmungsbildern den Klebepunkt nicht wie gewünscht platzierten. Zwei KJBlerinnen fanden sich so beispielsweise in einer Diskussion mit drei Priestern wieder, die sich für das Frauenpriestertum aussprachen und die Existenz einer universellen Wahrheit infrage stellten, nur um zum Schluss selbst für vermeintlich schismatisch erklärt zu werden. 

Besonders eindrucksvoll war die Verbundenheit unter den lehramtstreuen Katholiken. Mit Maria 1.0 standen wir in regem Austausch und statteten einander immer wieder Besuche ab. Auch mit Bischöfen ergaben sich herzliche Begegnungen, in denen wir uns – herzlich lachend – gegenseitig versprachen, der katholischen Lehre treu zu bleiben.

Und so wurde der Katholikentag zu einer Möglichkeit, viele der 74.000 Besucher mit unserer katholischen Botschaft zu erreichen. Wir können gar nicht zählen, wie viele Exemplare unserer Zeitschrift „Der Gerade Weg“ (DGW) und Veranstaltungsbroschüren auf diesem Weg in ganz Deutschland verbreitet wurden; wie oft man sich für unser Engagement bedankte und wie sehr sich Menschen freuten, wenn sie sahen, dass Jugendliche auch heute noch den Rosenkranz schätzen und regelmäßig beten.

Beeindruckend war außerdem, wie vielfältig das Engagement der Katholischen Kirche in allen Lebensbereichen der Gesellschaft ist. Von Gefängnis- und Militärseelsorge, über Theater und Kino, Stipendien, Fernseh- und Radiosender, Reiseagenturen und politische Interessenvertretungen, nicht zuletzt der Lebensschutz: Kein Bereich wurde ausgelassen. Katholisches Leben in vielen seiner Facetten.

Welche Früchte unsere Arbeit tragen wird, liegt allein in Gottes Hand. Umso größer wird die Freude sein, wenn Menschen eines Tages zu uns kommen und erzählen, wie Gespräche oder unsere Materialien ihnen geholfen haben, sich Gott wieder anzunähern – und vielleicht sogar unserer Bewegung verbunden zu bleiben.

So möchten wir auch in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass das Bild der katholischen Kirche von Gemeinschaften wie unserer geprägt wird, und eine glaubensstarke Stimme junger Katholiken bleiben. Als katholische Jugendbewegung wollen wir keiner Agenda den Platz überlassen, die versucht, die Glaubenswahrheiten an den modernen Zeitgeist anzupassen. Wir stehen für die Unveränderlichkeit und Schönheit unseres katholischen Glaubens ein.

Der Katholikentag hat uns gezeigt, wie wichtig glaubensstarke Jugendarbeit heute ist. Viele junge Menschen suchen Orientierung, Gemeinschaft und eine klare katholische Stimme. Damit wir diese Arbeit auch in Zukunft fortsetzen können, bitten wir um Ihr Gebet und freuen uns über jede Unterstützung. Vergelt’s Gott!

[1] Die Katholische Jugendbewegung (KJB) ist eine Gemeinschaft gläubiger Katholiken zwischen 15 und 30 Jahren im deutschsprachigen Raum – getragen von der Begeisterung, dem wahren, unveränderlichen Glauben treu zu bleiben und ihn aus Liebe zu Christus und seiner Kirche neu aufleuchten zu lassen. Dieses Charisma leben wir aus vier Quellen: Gebet, Bildung, Freundschaft und Apostolat.

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