Der neue Bischof von Eichstätt: Christian Würtz und die Brüche mit der Lehre

Certamen
Christian Würtz wird neuer Bischof in Eichstätt. Beim Synodalen Weg stimmte er gegen die kirchliche Lehre, anders als sein Vorgänger Hanke.

Papst Leo XIV. hat den Freiburger Weihbischof Christian Würtz zum neuen Bischof von Eichstätt ernannt. Beim Synodalen Weg stimmte er dreimal für Texte, die der Lehre der Kirche widersprechen, während sein Vorgänger Gregor Maria Hanke jeweils mit Nein votierte. Auf die Bitte von Certamen um eine klärende Stellungnahme antwortete die Diözese ausweichend.

Papst Leo XIV. hat am 7. Juli den bisherigen Freiburger Weihbischof Christian Würtz zum neuen Bischof von Eichstätt ernannt. Er folgt auf Gregor Maria Hanke OSB, der am 8. Juni 2025 von seinem Amt zurückgetreten war.

Würtz wurde 2006 zum Priester geweiht, promovierte im Kirchenrecht und in der Theologie und wirkte als Pfarrer, Diözesanrichter sowie Dompfarrer am Freiburger Münster, ehe ihn Papst Franziskus 2019 zum Weihbischof ernannte. Seither leitet er als Regens die Priesterausbildung der Erzdiözese Freiburg.

Als Weihbischof nahm er auch an der Synodalversammlung des Synodalen Wegs teil, und genau sein dortiges Abstimmungsverhalten wirft nun die Frage auf, welche pastorale Linie das Bistum Eichstätt unter seiner Leitung einschlagen wird.

Beim Handlungstext „Lehramtliche Neubewertung von Homosexualität“ votierte Würtz im September 2022 mit Ja, während Bischof Hanke mit Nein stimmte. Der Text forderte eine Änderung des Katechismus und behauptete: „Gleichgeschlechtliche – auch in sexuellen Akten verwirklichte – Sexualität ist damit keine Sünde, die von Gott trennt, und sie ist nicht als in sich schlecht zu beurteilen.“

Die Kirche lehrt jedoch mit der Erklärung Persona humana der Glaubenskongregation von 1975 unverändert das Gegenteil: Homosexuelle Handlungen sind „in sich nicht in Ordnung“, eine Lehre, die gleichzeitig im Katechismus der Katholischen Kirche (Nr. 2357) verankert ist.

Auch beim Handlungstext „Segensfeiern für Paare, die sich lieben“ stimmte Würtz im März 2023 mit Ja, sein Vorgänger Hanke erneut mit Nein. Dort hieß es: „Die Weigerung, die Beziehung zweier Menschen zu segnen, die ihre Partnerschaft in Liebe, Verbindlichkeit und Verantwortung zueinander und zu Gott leben wollen, erweist sich in einer Gesellschaft, die Menschenwürde und freie Selbstbestimmung als Maxime moralischer Normierung errungen hat, als unbarmherzig oder gar diskriminierend.“

Ein drittes Mal stimmte Würtz für den Handlungstext „Frauen in sakramentalen Ämtern“, der die Frage aufwirft, ob die Lehre von Ordinatio sacerdotalis geprüft werden müsse. Papst Johannes Paul II. hatte 1994 in eben diesem Schreiben verbindlich festgestellt: „[…] daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“ Auch hier votierte sein Vorgänger Hanke mit Nein, Würtz mit Ja.

Zu seinem eigenen Abstimmungsverhalten befragt, wollte Würtz in einem Interview mit Bayern 2, das die Katholische Nachrichten-Agentur zitierte, keine grundsätzliche Distanz zu seinem Vorgänger erkennen: „Daraus jetzt grundlegende Differenzen zwischen ihm und mir abzuleiten, das geht, glaub ich, dann doch zu weit.“

Man solle sich „nicht in Flügelkämpfe“ verlieren, sondern auf „das Verbindende und das Zentrale“ achten. Zugleich bekräftigte er: „Die Kirche muss sich immer reformieren. Wenn wir stehen bleiben und sich gar nichts ändert, dann bringt das die Kirche auch nicht voran.“

Certamen wollte von Bischof Würtz direkt wissen, wie er es mit der Lehre hält: Steht er heute hinter Persona humana, wonach homosexuelle Handlungen „in sich nicht in Ordnung“ sind, oder hinter der von ihm mitgetragenen Position, wonach solche Handlungen „keine Sünde“ seien? Und welche pastorale Linie er für Segensfeiern in seinem neuen Bistum plane?

Die Pressestelle des Bistums Eichstätt antwortete durch Bernhard Löhlein, Chef vom Dienst der Stabsstelle Kommunikation, ausweichend: Aufgrund der „zahlreichen Termin- und Medienanfragen im Zusammenhang mit seiner Ernennung“ könnten „derzeit leider nicht alle Interviewwünsche berücksichtigt werden“.

Man verwies auf „weitere Gelegenheiten zum Austausch mit den Medien“ im Umfeld der noch nicht terminierten Amtseinführung. Eine inhaltliche Antwort auf die Fragen zur Lehre blieb aus.

Am Fest des heiligen Willibald

Nicht ohne Bedeutung ist der Tag der Ernennung: Sie wurde am Hochfest des heiligen Willibald bekannt gegeben, jenes angelsächsischen Mönchs, der im achten Jahrhundert von England aus in die Mission zog, an der Seite des heiligen Bonifatius wirkte und schließlich zum ersten Bischof von Eichstätt geweiht wurde.

Willibald gründete das Bistum aus dem Nichts, in einer Landschaft, die dem katholischen Glauben noch fremd war, und baute mit seinem Bruder Wunibald und seiner Schwester Walburga ein geistliches Zentrum auf, das bis heute besteht.

Wer als Bischof ausgerechnet an diesem Tag berufen wird, dem wird die Erinnerung an einen Gründervater mitgegeben, der die Lehre der Kirche in unbekanntes Land trug. Ein Bistumsgründer wie Willibald wurde heiliggesprochen, weil er die überlieferte Lehre unter widrigsten Umständen unverkürzt weitergab, nicht weil er sie den Verhältnissen seiner Zeit anpasste.

Die Lehre der Kirche zu Homosexualität, Segnungen und dem Weihesakrament ist nicht das Ergebnis einer Abstimmung, auch nicht einer Zweidrittelmehrheit auf einem deutschen Synodalen Weg. Sie ist der Kirche von Christus anvertraut, und kein Bischofsstuhl steht über ihr.

Beten wir für Bischof Würtz, dass er in der Nachfolge des heiligen Willibald genau diese Treue zur ungebrochenen Lehre findet, die sein Bistum vor mehr als tausend Jahren erst begründet hat.

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