Erzbischof Grünwidl wünscht sich die Frauenweihe: Was auch kein Konzil ändern kann

Certamen
Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl wünscht sich im Ö1-Interview die Weihe von Frauen und rechnet mit einer Generalsekretärin für die Bischofskonferenz.
Ein Erzbischof in Chorkleidung, von hinten gesehen, im gotischen Langhaus des Wiener Stephansdoms mit Blick zum Hochaltar (KI-generiertes Bild)
Bild: KI-generiert (Certamen)

Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl wünscht sich die Weihe von Frauen und verweist die Entscheidung an ein künftiges Konzil. Eine realistische Möglichkeit sieht er dafür im Moment nicht. Doch die Frage, wen Christus zu Seinen Aposteln bestimmt hat, ist seit jenem Tag beantwortet, an dem Er die Zwölf rief, und keine Kirchenversammlung kann diese Antwort neu schreiben.

Im Ö1-Interview „Im Journal zu Gast“ hat der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl am Samstag, dem 31. Oktober, über die Weihe von Frauen gesprochen. Im Gespräch mit dem ORF-Journalisten Tarek Leitner sagte er nach einem Bericht von CNA Deutsch: „Die Weihe der Frau würde ich mir zwar auch wünschen.“

Gleich danach schränkte er ein: „Das wäre eine Entscheidung, die auf weltkirchlicher Ebene mit einem Konzil getroffen werden muss. Ich sehe da im Moment nicht eine realistische Möglichkeit, dass diese Entscheidung in diesem Sinn fallen wird.“

„Frauen lesen nicht nur Texte vor“

Leitner hatte zuvor gefragt, ob es nicht zu wenig sei, dass Frauen bei Grünwidls Bischofsweihe zwar Texte lesen durften, geistliche Ämter ihnen aber verschlossen blieben. „Frauen lesen nicht nur Texte vor“, entgegnete der Erzbischof.

„Es gibt viele Bereiche, wo Frauen auch in leitender Position eingesetzt sind, auch Amtsleiterinnen in der Erzdiözese Wien“, führte er aus. „Ich habe auch Frauen in den Bischofsrat aufgenommen. Das ist das engste Beratungsgremium des Bischofs, eines der wichtigsten Gremien.“

Neu ist sein Wunsch nicht. Schon bei seiner Vorstellung als neuer Erzbischof hatte Grünwidl in einer Pressekonferenz der Erzdiözese Wien gesagt: „Ich kann mir auch das vorstellen, dass Frauen auch ins Weiheamt aufgenommen werden.“

Bei derselben Gelegenheit nannte er den Grund, warum er die Frage einem Konzil vorbehält. Eine Frauenweihe wäre, so Grünwidl damals, „eine derartige Veränderung in einer 2000-jährigen Tradition unserer Kirche, dass diese Entscheidung und diese Frage nur bei einem ökumenischen Konzil geklärt werden kann.“

Papst Johannes Paul II. hatte am 22. Mai 1994 in seinem Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis erklärt, „daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“

Eine Generalsekretärin für die Bischofskonferenz

Anders liegt der Fall beim Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz. „Kein Konzil braucht es, wenn sie eine Generalsekretärin in der Bischofskonferenz einsetzen“, warf Leitner ein. Grünwidl antwortete: „Ich gehe davon aus, dass wir die Statuten ändern werden.“ Bislang muss laut den Statuten ein Priester oder Bischof das Amt innehaben.

„Wir werden das ändern. Das wird aber allerdings jetzt nicht so schnell gehen, weil diese Statutenänderung auch von Rom genehmigt werden muss“, erklärte der Erzbischof. Zunächst rechnet er damit, „dass jetzt wieder so wie üblich ein Priester Generalsekretär wird, aber dass auf Zukunft hin gesehen dann diese Möglichkeit offen ist“.

Wie in vielen anderen Ländern solle es dann möglich sein, „dass Getaufte, ob jetzt Mann oder Frau, auch diese Aufgabe übernehmen können“, sagte Grünwidl.

Anlass ist der Rückzug von Generalsekretär Peter Schipka, der das Amt auf eigenen Wunsch mit Ende November abgibt. Wie es weitergeht, entscheidet die Herbstvollversammlung der Bischöfe vom 9. bis 12. November in Salzburg. Das Vorschlagsrecht für den Posten liegt nach Angaben des ORF beim Vorsitzenden der Bischofskonferenz, derzeit Salzburgs Erzbischof Franz Lackner.

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Was die Kirche zur Priesterweihe lehrt

Die Weihe von Frauen zum Priestertum hat die Kirche nie gekannt. Gültig empfängt die heilige Weihe nur der getaufte Mann, so hielt es can. 968 §1 des Kirchlichen Gesetzbuchs von 1917 fest. Der Kanon gab damit wieder, was die Kirche seit den Aposteln geübt hatte.

Grünwidl selbst spricht von einer „2000-jährigen Tradition unserer Kirche“. Seine Hoffnung ruht auf einem Konzil, das sie ändern könnte.

Ausgerechnet ein Konzil hat die Grenze dafür gezogen. Das Konzil von Trient erklärte in seiner 21. Sitzung am 16. Juli 1562, die Kirche habe stets die Vollmacht gehabt, bei der Spendung der Sakramente Dinge anzuordnen oder zu ändern, allerdings nur „unbeschadet ihrer Substanz“ (Kap. 2). Was Christus selbst in ein Sakrament gelegt hat, steht der Kirche nicht zur Verfügung, auch nicht der versammelten Kirche eines Konzils.

Wer das Priestertum empfangen kann, gehört zu dieser Substanz. In seiner 23. Sitzung lehrte dasselbe Konzil, dass es im Neuen Bund „ein sichtbares und äußeres Priestertum“ gibt, dem die Vollmacht gegeben ist, den wahren Leib und das wahre Blut des Herrn zu konsekrieren und darzubringen und die Sünden nachzulassen und zu behalten (can. 1). Dieses Priestertum geht auf die Männer zurück, die der Herr selbst dafür erwählt hat.

Zwölf Grundsteine

Das Markusevangelium erzählt die Stunde, in der diese Wahl fiel. „Jesus stieg auf einen Berg und rief die zu sich, die er selbst wollte, und sie kamen zu ihm.“ Dann heißt es: „Und er setzte zwölf ein, damit sie mit ihm seien und damit er sie aussende, zu verkünden“ (Mk 3,13 f.).

Markus nennt sie mit Namen, einen nach dem anderen. Simon, dem der Herr den Namen Petrus gab, Jakobus und Johannes, die Donnersöhne, dazu Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskariot. Zwölf Männer, keiner mehr und keiner weniger.

Dabei folgten dem Herrn viele Frauen, und sie blieben Ihm treu, als die Jünger flohen. Unter dem Kreuz stand Seine Mutter, die reinste aller Geschöpfe, und Maria Magdalena wurde die erste Zeugin der Auferstehung. Keine von ihnen hat Christus unter die Zwölf gerufen. Wer darin eine Geringschätzung der Frau sehen will, muss sie zuerst der Gottesmutter selbst unterstellen!

Die Wahl auf dem Berg galt nicht nur für die Jahre Seines öffentlichen Wirkens. Am Ende der Heiligen Schrift sieht der Seher Johannes das himmlische Jerusalem herabkommen, und von dieser Stadt heißt es: „Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine; auf ihnen stehen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes“ (Offb 21,14). Auf diesen Fundamenten ruht die Kirche bis an das Ende der Zeit. Ein Konzil kann ein Kirchengebäude umbauen, die Grundsteine des himmlischen Jerusalem kann es nicht austauschen.

Grünwidls Hinweis auf die Frauen im Bischofsrat und auf die Amtsleiterinnen seiner Erzdiözese zeigt, wie viel Frauen in der Kirche tragen. Dazu braucht es kein neues Weihesakrament. Die Kirche verdankt den Frauen ihre Mütter, ihre Ordensfrauen und ihre heiligen Jungfrauen, und an der Spitze aller Heiligen steht eine Frau.

Die Treue zu der Ordnung, die Christus selbst gestiftet hat, ist kein Hindernis für die Kirche, sie ist ihr Fundament. Beten wir für Erzbischof Josef Grünwidl, dass er seinen Gläubigen in Wien die Schönheit des Priestertums so verkündet, wie der Herr es selbst gestiftet hat, und dass die Gottesmutter ihn dabei leitet.

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