Kardinal Marx: Die „eigentliche Musik“ des Synodalen Weges soll in den Bistümern spielen

Certamen
Zum 30. Bischofsjubiläum nennt Kardinal Marx das Bistum den zentralen Ort der synodalen Kirche. Die Satzung der Synodalkonferenz liegt jedoch weiter in Rom.

Dreißig Jahre nach seiner Bischofsweihe will Kardinal Reinhard Marx den Synodalen Weg nicht mit einer „Liste mit Forderungen nach Rom“ enden lassen. Der zentrale Ort der synodalen Kirche sei für ihn das Bistum. Gerade für diese Ebene hatte der Heilige Stuhl schon 2023 klargestellt, dass weder der Synodale Weg noch eine Bischofskonferenz die Kompetenz hat, einen „Synodalen Rat“ einzurichten.

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, hat in einem Interview mit katholisch.de das Bistum zum zentralen Ort der synodalen Kirche erklärt.

An diesem Tag jährte sich die Bischofsweihe des Kardinals zum 30. Mal, zugleich wurde er 73 Jahre alt. Marx gehörte 2019 zu den Initiatoren des Synodalen Weges. Als dessen Ausgangspunkt nennt er die MHG-Studie über sexuellen Missbrauch, die in seiner Zeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht wurde.

„Die eigentliche Musik muss in den Bistümern spielen“

Einem Katalog von Wünschen an den Papst erteilt der Kardinal eine Absage. „Der Synodale Weg kann aus meiner Sicht nicht damit enden, dass wir eine Liste mit Forderungen nach Rom schicken. Das finde ich nicht so fantasievoll.“

Die Kirche in Deutschland solle sich stattdessen selbst befragen. „Was wollen wir hier sein? Was wollen wir den Menschen hier versprechen? Was ist unser Auftrag?“

Die Antwort verortet Marx eine Ebene tiefer: „Der zentrale Ort der synodalen Kirche ist für mich das Bistum, die Kirche vor Ort, und nicht eine nationale Ebene. Die brauchen wir zwar auch, aber die eigentliche Musik muss in den Bistümern spielen.“

Für sein eigenes Erzbistum zieht er eine zufriedene Bilanz. „Da gehen wir […] bei uns im Erzbistum einen guten Weg mit dem Synodalen Gremium, das in der Linie des Synodalen Weges eingerichtet wurde.“

Fünfzehn Mitglieder, zwei Sitzungen im Jahr

Das Synodale Gremium des Erzbistums trat im Mai 2024 zu seiner ersten Sitzung zusammen. Unter Berufung auf die Erzdiözese nannte die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) es damals ein neues Beratungs- und Abstimmungsorgan. Es tagt zweimal im Jahr unter dem Vorsitz des Kardinals und hat 15 Mitglieder, darunter 8 Laien.

Als erste Themen wählte das Gremium die Assistenz bei Trauungen, die Predigterlaubnis in der Eucharistiefeier und die Taufbefugnis. Alle drei Tätigkeiten seien bisher geweihten Amtsträgern vorbehalten, könnten aber auch für Laien geöffnet werden, schrieb die Agentur.

Marx sprach seinerzeit von einem „weiteren wichtigen Schritt hin zu einer synodalen Kirche in unserem Erzbistum“.

Was Rom dem Kardinal schon 2019 schrieb

Die Frage, wer in der Kirche entscheidet, begleitet Marx seit den Anfängen des Synodalen Weges. Am 4. September 2019 sandte ihm die Kongregation für die Bischöfe (er war damals Vorsitzender der Bischofskonferenz) eine Stellungnahme des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte vom 1. August 2019 zu.

Der Rat stellte fest, das Statut des Synodalen Weges kopiere weitgehend das eines Partikularkonzils. Zur gleichberechtigten Besetzung durch Bischöfe und Zentralkomitee schrieb er: „Diese Parität von Bischöfen und Laien kann kirchenrechtlich keinen Bestand haben.“

Und er fragte: „Wie kann eine Teilkirche verbindliche Beschlüsse fassen, wenn die behandelten Themen die Weltkirche betreffen?“

Am 16. Januar 2023 folgte ein Schreiben von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und den Kardinälen Luis Ladaria und Marc Ouellet an die Bischofskonferenz. Papst Franziskus hatte es in forma specifica approbiert, also ausdrücklich zu seinem eigenen Akt gemacht.

Die drei Kardinäle warnten, ein „Synodaler Rat der Diözese“ scheine sich „über die Autorität des einzelnen Bischofs innerhalb seiner Diözese zu stellen“. Sie hielten fest, „dass weder der Synodale Weg noch ein von ihm eingesetztes Organ noch eine Bischofskonferenz die Kompetenz haben, den ‚Synodalen Rat‘ auf nationaler, diözesaner oder pfarrlicher Ebene einzurichten.“

Das Münchner Gremium trägt einen anderen Namen. Eingerichtet wurde es nach den Worten des Kardinals „in der Linie des Synodalen Weges“.

Die Synodalkonferenz wartet auf Rom

Auf nationaler Ebene steht die Entscheidung weiter aus. Am 31. März 2026 legte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, in Rom die Satzung einer künftigen Synodalkonferenz zur Recognitio vor, der Anerkennung durch den Heiligen Stuhl. „Die Recognitio ist erbeten, damit wir die Satzung anwenden und eine Synodalkonferenz für die Kirche in Deutschland umsetzen können“, erklärte Wilmer.

Seit inzwischen rund sechs Monaten wartet die Satzung auf die Genehmigung, wie CNA Deutsch am 22. September berichtete.

Marx will der künftigen Konferenz enge Grenzen ziehen. „Wir brauchen keine Synodalkonferenz als eine Art Oberaufsicht über alle Bistümer.“ Was fehle, sei „ein gemeinsamer Resonanzraum, der das, was in der Kirche vor Ort passiert, aufnimmt, und auch die Kirche für ganz Deutschland repräsentiert“.


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