Marsch für das Leben 2026: Auch Bischöfe gehen wieder mit

Certamen
Am 19. September ziehen Lebensrechtler durch Berlin und Köln. Drei Bischöfe gehen in Berlin mit, 2024 waren es noch fünf.

Am Samstag gehen in Berlin und Köln wieder Tausende für die ungeborenen Kinder auf die Straße. Es ist der 22. Marsch für das Leben in der Hauptstadt. Von den 27 deutschen Bistümern schickt genau eines seinen amtierenden Diözesanbischof mit. Die übrigen Hirten schreiben Briefe oder schweigen ganz.

Der Bundesverband Lebensrecht (BVL) ruft für Samstag, den 19. September, zum Marsch für das Leben auf. Um 13 Uhr setzen sich die Züge gleichzeitig in Bewegung, in Berlin am Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof, in Köln am Neumarkt. Gegen 16.30 Uhr endet die Veranstaltung.

Es ist der 22. Marsch in Berlin und der vierte in Köln. Das Motto lautet in diesem Jahr: „Lebensrecht ist Menschenrecht. Ein Schritt für das Leben – sei dabei!“ Der Verband, ein Zusammenschluss von 16 Mitgliedsvereinen, begeht zugleich sein 25-jähriges Bestehen.

Bei der Berliner Polizei sind 5.000 Demonstranten angemeldet. Einige hundert Menschen werden zu Gegendemonstrationen erwartet, die unter dem Motto „Es reicht! Sichere und legale Schwangerschaftsabbrüche – JETZT!“ zur Legalisierung der vorgeburtlichen Kindstötung aufrufen.

Alexandra Linder, die Vorsitzende des BVL, gibt sich dennoch gelassen. „Wir konzentrieren uns auf unsere Arbeit, sind entspannt und die Polizei ist gut vorbereitet“, sagte sie der „Tagespost“.

Drei Bischöfe, und zwei davon aus einem Bistum

Nach Berlin kommen drei Bischöfe: der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, sein Weihbischof Josef Graf und der emeritierte Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke OSB. Das teilte der Veranstalter am 9. September mit. Bischof Hanke leitet gemeinsam mit dem protestantischen Pastor Albrecht Weißbach die Reisesegenandacht.

Zwei der drei gehören demselben Bistum an. Der dritte ist emeritiert. Von den 27 deutschen Erzbistümern und Bistümern geht damit ein einziger amtierender Diözesanbischof mit.

2024, beim 20. Marsch, waren es fünf: neben Voderholzer und Hanke auch der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich, der Augsburger Weihbischof Florian Wörner und Weihbischof Graf. Damals überbrachte der Apostolische Nuntius Erzbischof Nikola Eterović den Teilnehmern die Grüße des Heiligen Vaters.

Voderholzer hält seinen Termin seit Jahren frei. „Der dritte Samstag im September ist in meinem Kalender immer für die Teilnahme am Marsch für das Leben in Berlin blockiert, ebenso wie der zweite Samstag im April für den Marsch für das Leben in München“, erklärte er Anfang September gegenüber CNA Deutsch. „Ich halte es für meine staatsbürgerliche Pflicht, denen eine Stimme zu geben, die selbst noch keine oder keine mehr haben.“

Schon 2024 hatte er in Berlin gesagt: „Wir sind nicht gegen jemanden, sondern für das Leben. Wir setzen uns für ein Recht ein, das unsere Verfassung garantiert.“

Die Grußworte aus den Ordinariaten

Zehn Tage vor dem Marsch veröffentlichte der BVL die schriftlichen Grußworte. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki schrieb: „In einer Zeit, in der vieles relativiert und verhandelbar erscheint, setzen Sie mit Ihrem Weg gemeinsam ein Zeichen: Das menschliche Leben ist unverfügbar – von seinem ersten Augenblick an bis zu seinem natürlichen Ende.“

Fünf Tage vor dem Marsch folgte in einer eigenen Mitteilung das Grußwort des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Der Münsteraner Bischof Heiner Wilmer schrieb, der Marsch erinnere daran, menschliches Leben „in allen seinen Phasen zu achten, zu schützen und zu fördern“. Er mahnte zugleich: „Wer menschliches Leben schützen will, kann nicht gleichzeitig Menschen gegeneinander ausspielen, ausgrenzen oder ihre Würde relativieren.“

Es war das erste Mal, dass sich Wilmer zum Berliner und Kölner Marsch äußerte. Für den Münchner Marsch im April, den der Verein Stimme der Stillen veranstaltet, hatte er noch kein Grußwort schreiben wollen. Zur Begründung verwies er damals auf eine regionale Veranstaltung.

Der Eichstätter Diözesanadministrator Alfred Rottler wurde deutlicher als die meisten. „Mit einiger Sorge sehe ich, wie dieses Recht mehr und mehr ausgehöhlt wird und so die Grundlagen unserer Demokratie in Frage gestellt werden“, schrieb der Dompropst.

Er erinnerte an ein Wort der heiligen Mutter Teresa von Kalkutta aus dem Jahr 1994, das Papst Leo XIV. aufgegriffen hatte. „Meiner Meinung nach ist die Abtreibung heute der größte Feind des Friedens.“ Der Papst fügte hinzu, keine Politik könne den Menschen wirklich dienen, „wenn sie den Ungeborenen das Geschenk des Lebens verweigert“.

Der Münsteraner Weihbischof Stefan Zekorn gratulierte dem Verband zum 25-jährigen Bestehen und mahnte zur Praxis. „Der Einsatz für das Lebensrecht erschöpft sich nicht in grundsätzlichen Forderungen“, schrieb er. „Er wird dort glaubwürdig, wo Menschen konkrete Hilfe, Begleitung und Ermutigung erfahren.“

Gegen eine parteipolitische Vereinnahmung des Anliegens wandte sich der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp. Das Engagement für das Leben speise sich „aus dem Evangelium – nicht aus einer politischen Agenda“.

106.000 getötete Kinder in einem Jahr
Die Grußworte fallen in eine unveränderte Rechtslage. Nach § 218 des Strafgesetzbuchs ist die Abtreibung in Deutschland rechtswidrig, bleibt in den ersten zwölf Wochen nach der Empfängnis aber straffrei, sofern zuvor eine Beratung stattgefunden hat.

Für 2025 meldete das Statistische Bundesamt 106.000 Abtreibungen. Der Reformentwurf der vergangenen Wahlperiode, der den Eingriff bis zur zwölften Woche für nicht mehr rechtswidrig erklären wollte, scheiterte im Februar 2025 im Rechtsausschuss. In der laufenden Wahlperiode haben sich Union und SPD auf keine Neuregelung verständigt.

Cornelia Kaminski, Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle, sieht die Wurzel im Sprachgebrauch. Gefährdet werde das Leben durch „die Art, wie wir über Menschen, Leben und Töten sprechen“ und dadurch, „dass wir die Dinge nicht mehr bei ihrem wirklichen Namen benennen“. Ihr Urteil über die politische Klasse fällt hart aus: „Politik ohne Lebensschutz ist darum Politik ohne Anstand.“

Das Engelamt um zehn Uhr

Der Tag beginnt in Berlin am Altar. Um 10 Uhr wird in der Kirche St. Marien am Behnitz in Berlin-Spandau ein Engelamt gefeiert, ein Requiem für die Ungeborenen.

In der überlieferten Liturgie ist das Engelamt die Messe für ein Kind, das vor dem Vernunftgebrauch gestorben ist. Der Priester trägt dabei nicht das Schwarz der Totenmesse, sondern Weiß. Es entfällt die Sequenz Dies irae mit ihrem Bild vom Tag des Zorns. Um Nachlass der Sünden bittet die Kirche hier nicht, denn das Kind hat keine begangen.

Über Generationen war das der Trost, den die Kirche trauernden Eltern in die Hand gab: Euer Kind ist nicht verloren. Für die ungeborenen Kinder, die ohne Taufe sterben, hat die Kirche keine solche Gewissheit auszusprechen, und sie hat sie nie behauptet. Sie vertraut diese Kinder der Barmherzigkeit Gottes an und betet für sie.

Die Lehre der Kirche verurteilt Abtreibung als schwre Sünde. Umso schwerer wiegt, wer am Samstag fehlt. 106.000 getötete Kinder in einem Jahr sind die größte offene Wunde dieses Landes, und die größte Lebensrechtsveranstaltung Deutschlands tragen fast ausschließlich Laien auf ihren Schultern.

Die Gläubigen, die im Morgengrauen in Memmingen, Bautzen und Erfurt in die Busse steigen, hätten es verdient, mehr Hirten an ihrer Seite zu sehen. Beten wir für die deutschen Bischöfe, dass ihnen der Mut wächst, den Voderholzer, Graf und Hanke am Samstag zeigen werden.

Dieser Artikel war kostenlos. Sein Bestehen ist es nicht.

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