Weihbischof Athanasius Schneider wirbt in Rom für die schrittweise Eingliederung der Priesterbruderschaft St. Pius X. und bedauert, dass die Pilger der Summorum-Pontificum-Wallfahrt nicht in Prozession in Sankt Peter einziehen durften. Sie blieben vor dem Obelisken stehen und sangen dort das Credo. Ihre Treue ist ein Zeugnis für den bleibenden Wert der Messe, die der heilige Papst Pius V. 1570 im Römischen Messbuch festgeschrieben hat.
Weihbischof Athanasius Schneider von Astana (Kasachstan) hat sich für eine schrittweise Eingliederung der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) in das Leben der Kirche ausgesprochen. „Es wäre ein Gewinn für die ganze Kirche, dieses Werk dieser Priester und Gläubigen, das Werk von Erzbischof Lefebvre, schrittweise in das Leben der Kirche einzugliedern“, sagte er dem Portal AdVaticanum.
Das Gespräch entstand am Vormittag des 24. Oktober in Rom, bevor Schneider in der Basilika Santa Maria Maggiore die Messe der Wallfahrt Ad Petri Sedem im überlieferten Ritus feierte. Er habe dem Heiligen Stuhl schon früher konkrete Schritte vorgeschlagen und hoffe, dass sie eines Tages umgesetzt werden, sagte der Bischof.
Das Credo vor dem Obelisken
Die Wallfahrt Ad Petri Sedem, die internationale Summorum-Pontificum-Wallfahrt, führte in diesem Jahr zum fünfzehnten Mal Priester und Gläubige der überlieferten Liturgie nach Rom. Veranstalter ist der Coetus Internationalis Summorum Pontificum.
Am 12. Juni hatte Claude Barthe, der Kaplan der Wallfahrt, Papst Leo XIV. gebeten, wie im Vorjahr die überlieferte Messe im Petersdom feiern zu dürfen. Erzbischof Paolo Rudelli, Substitut im Staatssekretariat, lehnte am 7. August ab. Man könne der Bitte „für dieses Jahr“ nicht entsprechen.
Am 8. September folgte eine bescheidenere Bitte. Die Pilger wollten am 24. Oktober um 13 Uhr in Prozession in die Basilika einziehen, am Grab des Apostels für den Papst beten und am Altar der Kathedra das Allerheiligste anbeten.
Die Antwort vom 30. September trug wieder die Unterschrift Erzbischof Rudellis und erreichte Barthe erst am 12. Oktober. Es sei „nicht möglich, Ihrer Bitte stattzugeben“, hieß es darin, ohne weitere Begründung.
Vatikansprecher Matteo Bruni sagte dem Portal The Pillar, die Absage betreffe „ausschließlich die Prozession, weil das gewöhnlich nicht erlaubt ist, nicht einmal für Diözesen, die als Pilger kommen“. Vierzehn Jahre lang hatte die Wallfahrt in Prozession in die Basilika einziehen dürfen.
Am 24. Oktober blieb die Prozession auf dem Petersplatz vor dem Obelisken stehen. Dort sangen die Pilger das Credo und das Christus vincit (Christus siegt).
„Genau diese Gruppe wurde ausgeschlossen“
Die Entscheidung habe ihn mit Traurigkeit erfüllt, sagte Schneider, zumal der Vatikan so häufig Synodalität und Inklusion betone. „Genau diese Gruppe wurde ausgeschlossen“, sagte er. Gemeint sind nach der Darstellung von AdVaticanum Katholiken, die den Papst anerkennen, für ihn und für ihre Bischöfe beten und in gutem Stand mit der Kirche sind.
Wer diese Pilger sind, hatte Barthe schon in seinem Brief an den Papst beschrieben: „Seit fünfzehn Jahren führt unsere Wallfahrt Pilger nach Rom, zum Grab des Apostels und zu seinem Nachfolger, die alle Priester und Gläubigen in der ganzen Welt vertreten, die der überlieferten Liturgie verbunden sind.“
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Das Werk von Erzbischof Lefebvre
Schneider kennt die Bruderschaft aus der Nähe. 2015 beauftragte ihn Papst Franziskus, als offizieller Visitator die Seminare der FSSPX zu besuchen.
Danach erklärte er, es gebe seines Wissens „keine gewichtigen Gründe“, dem Klerus und den Gläubigen der Bruderschaft die offizielle kanonische Anerkennung zu verweigern. „Einstweilen sollten sie angenommen werden, wie sie sind“, fügte er hinzu, und erinnerte daran, dass genau dies die Bitte Erzbischof Lefebvres an den Heiligen Stuhl gewesen sei.
Im neuen Interview würdigte er es als wichtigen Beitrag, dass die Bruderschaft auf einer Korrektur der Liturgiereform besteht und auf Klarheit in der Lehre und Würde im Gottesdienst dringt.
Am 1. Juli 2026 hatte die Bruderschaft in Écône vier neue Bischöfe geweiht. Tags darauf erklärte das Dikasterium für die Glaubenslehre in einem Dekret, die sechs beteiligten Bischöfe hätten sich die Exkommunikation latae sententiae (von selbst eintretend) zugezogen. Eine beigefügte Note dehnte die Folgen auf die Priester der Bruderschaft aus. Die Bruderschaft legte dagegen Rekurs ein.
Diese ungerechte Maßnahme trifft Priester, die Sonntag für Sonntag das heilige Messopfer in dem Ritus darbringen, den Schneider in Santa Maria Maggiore feierte. Sie trifft Familien, die ihre Kinder bei ihnen taufen lassen und ihre Sterbenden in der Hand dieser Priester wissen.
Am 13. Oktober teilte das Generalhaus in Menzingen mit, die kirchenrechtlichen Wege würden weiter beschritten, und kündigte an, über das Verfahren Diskretion zu wahren. Priester und Gläubige lud es ein, „im Gebet für den Heiligen Vater und die ganze Kirche vereint zu bleiben, deren oberstes Gesetz das Heil der Seelen ist“.
Salus animarum und VERUM
Das Heil der Seelen gibt auch dem neuen Film der Bruderschaft den Namen. Am 1. November erschien auf ihrem offiziellen YouTube-Kanal die Dokumentation Salus animarum (Das Heil der Seelen) über die Bischofsweihen von Écône, gedreht von Siebe Van Gaever in Zusammenarbeit mit dem Generalhaus.
Mit Zeugnissen von Priestern, Bischöfen und Gläubigen erinnert der Film an den Tag, an dem nach Angaben der Bruderschaft fast 17.000 Gläubige aus aller Welt nach Écône kamen, achtunddreißig Jahre nach den Weihen durch Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahr 1988.
Im Oktober brachte die Bruderschaft zudem die erste Ausgabe ihres Magazins VERUM an den Kiosk. Es zeigt nach eigener Beschreibung mit Reportagen, Interviews und großen Bildstrecken, „wie ein Leben aus dem katholischen Glauben aussehen kann“.
Die Reportagen führen nach St. Marys in Kansas, in das Priesterseminar Herz Jesu in Zaitzkofen und in das Priorat in Nigeria. Im großen Interview der Erstausgabe spricht Weihbischof Schneider über seinen Lebensweg und die Bedeutung der Tradition für die Erneuerung der Kirche. Das Heft kostet 7,90 Euro und ist im Bahnhofsbuchhandel, über Sarto.de und in den Messzentren der Bruderschaft erhältlich.
Die Bulle an den Türen von Sankt Peter
In Santa Maria Maggiore ruht der heilige Papst Pius V., und über ihn predigte Schneider an diesem Tag. „So hat der heilige Pius V. in gewissem Sinne den traditionellen Ritus der Messe kanonisiert“, sagte er nach dem Bericht von InfoVaticana.
Der Dominikaner auf dem Stuhl Petri führte aus, was das Konzil von Trient verlangt hatte. Gelehrte verglichen das Messbuch mit den alten Handschriften der Vatikanischen Bibliothek und mit den Werken bewährter alter Autoren. So hätten sie, heißt es in der Bulle Quo primum vom 14. Juli 1570, „das Messbuch selbst zur ursprünglichen Form und zum Ritus der heiligen Väter zurückgeführt“.
Den Priestern gewährte Pius V. Frieden für ihr Gewissen. Er gestattete „für immer“, dass dieses Messbuch in jeder Kirche „ohne jeden Gewissensskrupel und ohne Furcht, sich irgendeine Strafe, ein Urteil oder eine Zensur zuzuziehen“, gebraucht werden dürfe, und zwar „frei und erlaubt“.
Was an diesem Altar geschieht, hatte Trient gelehrt. In der Messe wird dasselbe Opfer dargebracht wie am Kreuz, nur die Weise der Darbringung ist verschieden (22. Sitzung, Kap. 2). Darum hüteten Generationen von Priestern jedes Wort und jede Geste dieses Ritus wie einen Schatz.
Die Bulle sollte nach dem Willen des Papstes „an den Türen der Basilika des Apostelfürsten“ angeschlagen werden. Mehr als 450 Jahre später sangen Pilger, die nach diesem Messbuch beten, ihr Credo vor dem Obelisken, noch vor den Stufen derselben Basilika!
Bei jungen Menschen, so Schneider in seiner Predigt, gebe es „ein legitimes Verlangen“, an der Heiligkeit in der traditionellen Form teilzuhaben. Sie fühlten sich wie Katholiken zweiter Klasse behandelt, würden aber „keine Bitterkeit hegen“. Für ihn selbst sei diese Messe „die Messe seiner Bekehrung“ gewesen.
Die Pilger auf dem Petersplatz bekannten den Glauben der Kirche mit den Worten, die sie auch in der Messe beten. Sie werden das Bild der Kirche in Rom auch in den kommenden Jahren prägen.
Beten wir für Papst Leo XIV. und seine Mitarbeiter im Staatssekretariat, dass die Pilger im kommenden Jahr wieder am Grab des Apostels beten dürfen. Möge die Gottesmutter, die in Santa Maria Maggiore als Salus Populi Romani (Heil des römischen Volkes) verehrt wird, der Kirche den liturgischen Frieden schenken, um den Bischof Schneider sie gebeten hat.
