Zum Christkönigsfest zogen 1.500 Pilger der überlieferten Messe nach Rom, doch als Wallfahrt durften sie in diesem Jahr nicht in den Petersdom. In Santa Maria Maggiore, wo der heilige Papst Pius V. ruht, predigte Bischof Athanasius Schneider ohne Bitterkeit und mit einer klaren Bitte an die Gottesmutter: Sie möge der Kirche den liturgischen Frieden schenken.
Vom 23. bis 25. Oktober fand in Rom die 15. internationale Wallfahrt Ad Petri Sedem statt. Der Coetus Internationalis Summorum Pontificum, ein Zusammenschluss von 33 traditionsverbundenen Vereinigungen aus aller Welt, führt sie seit 2012 jedes Jahr zum Stuhl Petri.
Höhepunkt war am Samstag, dem 24. Oktober, um 15 Uhr eine stille Pontifikalmesse am Hochaltar der Papstbasilika Santa Maria Maggiore. Zelebrant war Athanasius Schneider, Weihbischof von Astana in Kasachstan.
Als Gruppe durften die Pilger nicht in den Petersdom. Das Staatssekretariat hatte zuerst die Messe am Kathedraaltar abgelehnt und später auch die Bitte, in Prozession zum Grab des Apostels zu ziehen und dort für den Papst zu beten.
Eine Messe in der Grabeskirche des heiligen Pius V.
Schneider opferte die Messe für die Seelenruhe von Papst Franziskus, der in der Basilika begraben liegt. In den zwölf Jahren seines Pontifikats habe Franziskus 126 Mal vor der Ikone Salus Populi Romani gebetet, erinnerte der Bischof.
Seine Predigt begann bei der Kirche als Mutter. „Die Kirche ist Mutter, weil es eine andere Mutter gibt, jene eine Mutter, die unbefleckt ist, die allzeit Jungfrau ist“, sagte Schneider und nannte die Basilika „das Haus unserer Mutter“.
Dann sprach er von dem Heiligen, dessen Leib in Santa Maria Maggiore ruht. Der heilige Papst Pius V. habe mit der Apostolischen Konstitution Quo primum „allen Priestern des römischen Ritus den freien und immerwährenden Gebrauch der überlieferten Form der Messe“ zugesichert. Damit habe er den überlieferten Ritus „in gewissem Sinn kanonisiert“.
Als Katholiken zweiter Klasse behandelt
Den Kern der Predigt bildete die Lage derer, die an der überlieferten Messe hängen. „Eine große Zahl von Katholiken in aller Welt, besonders die junge Generation und junge Familien, hegt den berechtigten Wunsch, an der heiligen Messe in der überlieferten Form teilzunehmen“, sagte Schneider.
In dieser Form suchten die Gläubigen die Verbindung mit den Heiligen und mit ihren eigenen Vorfahren. „Doch heute fühlen sich diese Gläubigen, besonders die jungen, wegen starrer rechtlicher Einschränkungen und pastoraler Diskriminierung als Katholiken zweiter Klasse behandelt.“
„Dennoch hegen sie keine Bitterkeit; vielmehr lieben sie weiterhin ihre Mutter, die Kirche, auch wenn sie sich im Augenblick von eben dieser Mutter, von der Kirche von Rom, nicht verstanden fühlen“, fuhr der Bischof fort.
Seit dem Motu proprio Traditionis custodes von Papst Franziskus aus dem Jahr 2021 ist die überlieferte Messe streng begrenzt. Diese der überlieferten Liturgie abträgliche Verfügung gilt unter Leo XIV. unverändert fort.
Der Ölzweig in der Hand des Jesuskindes
Schneider erinnerte an die Statue der Gottesmutter als Königin des Friedens, die Papst Benedikt XV. in der Basilika aufstellen ließ. Maria sitzt auf einem Thron, das Jesuskind auf ihrem Arm hält einen Ölzweig, bereit, ihn fallen zu lassen. Auf dem Sockel wartet eine Taube, um die Friedensbotschaft zu den Menschen zu tragen.
Um diesen Ölzweig bat der Bischof. Er möge herabfallen und „uns den ersehnten liturgischen Frieden“ bringen, „einen Frieden, der den vollen Gebrauch der überlieferten Form des Römischen Ritus ohne Diskriminierung wiederherstellen würde“.
Die Verantwortlichen in der Kirche bat er, sich anrühren zu lassen „von der Stimme der Regina Pacis und der kleinsten Kinder der Kirche“, die „im liturgischen Bereich an den Rand gedrängt“ worden seien.
Franziskus hatte 2013 die orthodoxen Kirchen dafür gelobt, ihre Liturgie bewahrt zu haben. Daran knüpfte Schneider einen Satz, den der verstorbene Papst heute vielleicht seinem Nachfolger und den Bischöfen sagen würde: „Stellt die ursprüngliche und sehr schöne Form des Römischen Ritus, die der heilige Pius V. kanonisiert hat, wieder her und bewahrt sie.“
Diese Form der Messe sei die der Jugend und der Bekehrung von Papst Franziskus gewesen, fügte Schneider hinzu, und die der Kindheit und der Erstkommunion von Papst Leo XIV.
Die Predigt endete mit einem Gebet. „O Maria, Mutter Gottes, o Salus Populi Romani, o Regina Pacis, bring uns den Ölzweig aus der Hand des Jesuskindes“, betete Schneider, „damit wir wieder erfahren, dass die Kirche von Rom unsere Mutter ist“.
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Die Prozession endete auf dem Petersplatz
Die Bitte um den Petersdom war früh gestellt. Bischof Schneider hatte Papst Leo XIV. das Gesuch um eine Pontifikalmesse am Kathedraaltar am 18. Dezember 2025 bei einer Privataudienz persönlich übergeben.
Die Antwort kam am 7. August 2026 aus dem Staatssekretariat, unterzeichnet von Erzbischof Paolo Rudelli, dem Substituten für die Allgemeinen Angelegenheiten. Die Organisatoren seien „in diesem Jahr“ nicht berechtigt, die Messe dort zu feiern, berichtete InfoVaticana.
Ein Jahr zuvor hatte Kardinal Raymond Leo Burke am 25. Oktober 2025 mit Erlaubnis Leos XIV. ein feierliches Pontifikalamt am Kathedraaltar zelebriert.
Am 8. September bat der Kaplan der Wallfahrt, Abbé Claude Barthe, wenigstens um den Einzug: „Dürfen wir dennoch am kommenden 24. Oktober in Prozession in die Basilika einziehen, an der Confessio für den Papst beten und am Kathedraaltar das Allerheiligste anbeten?“ Die Sakristei des Petersdoms hatte 13 Uhr als möglichen Zeitpunkt genannt.
Rudelli antwortete knapp mit Schreiben vom 30. September, es sei „nicht möglich, Ihrer Bitte positiv zu entsprechen“. Einen Grund nannte er nicht.
Der Brief ging mit der Post an die Nuntiatur in Paris und erreichte Barthe nach Angaben des Hauptorganisators Christian Marquant erst am 12. Oktober. Am Freitag vor der Prozession verlas Marquant die Nachricht vor den Pilgern im Augustinianum. „Morgen werden wir nicht in den Petersdom gehen“, sagte er und fügte hinzu, man habe der Messe von 2025 vorgeworfen, sie sei „instrumentalisiert“ worden.
Am Samstagmorgen beteten die Pilger den Rosenkranz vor Santi Celso e Giuliano und zogen mit Fahnen aus vielen Nationen über die Engelsbrücke und die Via della Conciliazione zum Petersplatz. Sie sangen die Lauretanische Litanei, das Salve Regina und das Christus vincit. Die Basilika betrat die Prozession nicht.
Am selben Nachmittag stand im Petersdom die Lectio Francisci zum 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi auf dem Programm, um 18 Uhr gefolgt von einer Messe am Kathedraaltar.
Eine Begründung für das Nein zur Prozession gab der Heilige Stuhl nicht. Eine Anfrage des National Catholic Register an den vatikanischen Pressesprecher Matteo Bruni blieb bis Redaktionsschluss des Blattes unbeantwortet.
In den Jahren 2023 und 2024, als die Messe ebenfalls nicht erlaubt war, konnten die Pilger nach Angaben von Una Voce International immerhin gemeinsam im Petersdom beten. Das auf den Vatikan spezialisierte Portal Silere non possum nennt die Rede von einem Verbot dagegen „völlig falsch“. Aus dem Brief gehe nur hervor, dass eine bestimmte Bitte nicht gewährt werden konnte.
Una Voce International, Mitglied des Coetus, dankte ausdrücklich für Santa Maria Maggiore. Eine Messe an einem Samstag sei dort für Pilgergruppen normalerweise nicht erlaubt, und Kardinal-Erzpriester Rolandas Makrickas, die Sakristane und die Sicherheitsleute der Basilika seien alle „sehr hilfsbereit“ gewesen.
Ohne Polemik, um der Gerechtigkeit willen
Nach der Wallfahrt sprach Schneider deutlicher. Im Gespräch mit Michael Matt von The Remnant, das LifeSiteNews wiedergibt, nannte er das Vorgehen einen „unerhörten Skandal“. Die Pilger seien mit kleinen Kindern und vielen jungen Leuten aus aller Welt gekommen. „Wenigstens um dort zu beten, für den Papst, um das Credo zu singen, und selbst das wurde ihnen verboten.“
„Es ist eine unerhörte Grausamkeit, eine pastorale Grausamkeit“, sagte der Bischof. Der Skandal müsse angesprochen werden, „ohne Polemik, aber auch um der Gerechtigkeit willen, denn die Kirche muss gerecht sein; sie muss eine Mutter sein“.
Santa Maria Maggiore, das Haus der Gottesmutter
Aufgenommen hat die Pilger an diesem Samstag die größte Marienkirche Roms. Nach der Überlieferung lag unter Papst Liberius in der Nacht auf den 5. August Schnee auf dem Esquilin, mitten im römischen Hochsommer! An der weißen Stelle ließ der Papst die Kirche errichten. Das Fest Maria Schnee im überlieferten Kalender erinnert bis heute an dieses Wunder.
Über die Jahrhunderte haben die Römer hier vor der Ikone Salus Populi Romani gebetet, dem Heil des römischen Volkes, das die Überlieferung dem Evangelisten Lukas zuschreibt. In Pest und Krieg trugen sie das Bild durch die Stadt.
In der Sixtinischen Kapelle der Basilika ruht der heilige Papst Pius V., der Dominikaner auf dem Stuhl Petri. Er rief die Christenheit zum Rosenkranz, als die türkische Flotte das Abendland bedrohte, und der Sieg von Lepanto am 7. Oktober 1571 wurde der Fürbitte der Gottesmutter zugeschrieben.
Ein Jahr zuvor, am 14. Juli 1570, hatte er mit Quo primum das Römische Messbuch herausgegeben. Seine Gelehrten hatten es, so schrieb er, „auf die ursprüngliche Form und den Ritus der heiligen Väter“ zurückgeführt.
Was an diesem Altar gefeiert wurde, ist das Messopfer, wie die Kirche es immer verstanden hat. Das Konzil von Trient lehrt, dass in der Messe dasselbe Opfer dargebracht wird wie am Kreuz, nur die Weise der Darbringung ist verschieden (22. Sitzung, Kap. 2).
Am Sonntag darauf, dem letzten Sonntag im Oktober, feierten die Pilger nach dem Kalender von 1962 das Christkönigsfest, das Papst Pius XI. 1925 mit der Enzyklika Quas primas eingeführt hat. In Santissima Trinità dei Pellegrini, der Pfarrei der Petrusbruderschaft, war die Kirche beim Hochamt bis auf die Stehplätze gefüllt. Das Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat (Christus siegt, Christus herrscht, Christus gebietet) hatten sie auf dem Petersplatz gesungen. Auf dem Obelisken in der Mitte des Platzes stehen dieselben Worte als Inschrift.
Die überlieferte Messe ist an diesem Wochenende nicht aus Rom verschwunden. Sie wurde dort gefeiert, wo der heilige Pius V. begraben liegt, vor 1.500 Gläubigen, die ihre Mutter, die Kirche, lieben, auch wenn sie draußen bleiben mussten.
Beten wir für Papst Leo XIV. und für alle, die im Staatssekretariat über die Bitten der Gläubigen entscheiden, dass sie sich, wie Bischof Schneider es erbat, von der Stimme der Kleinsten in der Kirche anrühren lassen. Und beten wir mit ihm zur Regina Pacis um den Ölzweig des liturgischen Friedens.
