In Wigratzbad und Zaitzkofen, den beiden bayerischen Priesterseminaren der überlieferten Liturgie, sind im Herbst 36 junge Männer neu eingezogen, um Priester zu werden. Aus Amerika meldet die Piusbruderschaft so viele Eintritte, dass ihr Seminar in Virginia zu klein geworden ist. Wo die Kirche betet, wie sie durch die Jahrhunderte gebetet hat, schickt Gott weiter Arbeiter in Seine Ernte.
Das Internationale Priesterseminar St. Petrus in Wigratzbad hat nach den Eintrittsexerzitien 22 neue Propädeutiker aufgenommen, 14 französischsprachige und acht deutschsprachige. Ein Jahr zuvor waren es 15. Damit leben im europäischen Seminar der Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP) in diesem Studienjahr 108 Seminaristen.
Fast zur selben Zeit füllte sich das Priesterseminar Herz Jesu der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) in Zaitzkofen. Dort beginnen 13 junge Männer ihr Spiritualitätsjahr, ein belgischer Seminarist kommt ins zweite Jahr hinzu. Mit diesen 14 Neuzugängen wird das Seminar 53 Seminaristen zählen.
Zwei Sprachen, ein Haus im Allgäu
Das Studienjahr in Wigratzbad begann am Sonntag, dem 13. September. Zum Auftakt pilgerten die Seminaristen, die Deutschsprachigen von Köln nach Kevelaer, die Französischsprachigen nach Chalon-sur-Saône. Dabei war auch der Generalobere der Petrusbruderschaft, Pater John Berg.
Für den 28. September kündigte das Seminar die Neuen an und rechnete vor: „Damit erhöht sich die Gesamtzahl der eingeschriebenen Seminaristen in unserem europäischen Ausbildungshaus auf 108: 72 französischsprachige und 36 deutschsprachige.“ Im vergangenen Studienjahr waren es 106, davon 69 französisch- und 37 deutschsprachige.
Am 13. Oktober, nach den Eintrittsexerzitien, schrieb das Seminar in seinem Blog: „Wir empfehlen die 22 neuen Propädeutiker Ihrem Gebet.“ Die acht Deutschsprachigen betreut künftig Pater Josef Unglert, der Pater Bernward Deneke nachfolgt.
Das Seminar hat ein besonderes Jahr hinter sich. Am 20. Juni wurden 13 Kandidaten des Seminars in Lindenberg im Allgäu zu Priestern geweiht, zwölf weitere aus dem amerikanischen Seminar der Bruderschaft bereits am 28. Mai in Omaha. „Mit insgesamt 25 Neupriestern verzeichnet die Priesterbruderschaft St. Petrus damit den stärksten Weihejahrgang ihrer Geschichte“, schrieb die Bruderschaft damals.
Erntezeit in Zaitzkofen
Der Chronist des Seminars Herz Jesu verbindet die Ankunft der Neuen mit dem Jahreslauf auf dem Land. Während ringsum die letzte Ernte von den Feldern und Obstbäumen eingeholt wird, darf die Hausgemeinschaft nach seinen Worten „wie jeden Oktober nun auch die Früchte ihrer geistlichen Aussaat in Empfang nehmen“. Vorausgegangen war ein Jahr der Gebete und Wallfahrten um Priester- und Ordensberufungen.
Fünf der Neuen gehören zum deutschen Distrikt, der damit den größten Zuwachs erhält. Aus dem Vorseminar in Jaidhof kommen vier Seminaristen des österreichischen Distrikts, ein Kroate, ein Tscheche, ein Ungar und ein Slowene. Drei stammen aus dem polnischen Vorseminar in Warschau, einer aus dem Schweizer Distrikt. „Die Herkunftsländer sind dabei so divers wie schon lange nicht mehr“, schrieb der Chronist.
Auch zwei Brüderpostulanten sind angekommen, ein Ire und ein Pole. Sie bereiten sich im Lauf des Jahres auf das Noviziat vor. „Nach zwei Jahren ohne Neueintritte ist dies sicherlich ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft des Ordenslebens in der Priesterbruderschaft.“
Viel Zeit zum Kennenlernen blieb nicht. Die Neuen trafen am Samstag, dem 10. Oktober, ein und brachen schon nach dem sonntäglichen Hochamt mit dem neuen Leiter des Spiritualitätsjahres, Pater Merkle, zu einwöchigen Eintrittsexerzitien nach Jaidhof auf. Ihre Rückkehr am 18. Oktober soll erstmals mit einem Pontifikalamt zu Ehren des heiligen Pius X. gefeiert werden.
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Amerika: Ein Seminar wird zu klein
Noch größer sind die Zahlen aus den Vereinigten Staaten. Davon berichtet das Mitteilungsblatt des deutschen Distrikts der Piusbruderschaft in seiner Oktoberausgabe. Ins Priesterseminar St. Thomas von Aquin in Dillwyn (Virginia) traten 2025 insgesamt 57 junge Männer ein. 33 begannen mit dem Humanitätsjahr, einem Vorbereitungsjahr mit Allgemeinbildung und alten Sprachen, 24 mit dem Spiritualitätsjahr, dem eigentlichen ersten Ausbildungsjahr.
So viele Seminaristen fasst das Haus nicht mehr. Das Humanitätsjahr ist deshalb ins Brüdernoviziat der Bruderschaft nach Winona (Minnesota) umgezogen. Pater Charles Ward, der Rektor von Winona, rechnet in seinem Ausbildungszweig für das kommende Studienjahr mit rund 25 Studenten.
Auch bei den Brüdern geht es aufwärts. 2025 traten in Winona fünf Postulanten ein, in diesem Herbst kommen sechs. Zwei Kandidaten werden eingekleidet, sechs Novizen legen ihre ersten Gelübde ab. „Seit ich im November 2018 in Winona ankam, haben wir große Fortschritte erzielt. Es war wichtig, die Berufung zum Bruder bei der FSSPX sichtbarer zu machen“, zitiert das Mitteilungsblatt Pater Ward.
Einen möglichen Grund für die vielen Berufungen sieht Pater Ward darin, dass es im Land schlicht viele mögliche Kandidaten gibt. Dazu kommt ein Bauernhof, der seit 2020 zum Werk in Winona gehört und nach seinen Worten vor allem junge Männer vom Land anspricht.
Ein zweites Noviziat für die Herz-Jesu-Schwestern
Auch den Herz-Jesu-Schwestern, die der Bruderschaft eng verbunden sind, wird es zu eng. Ihr einziges Noviziat liegt im italienischen Narni, in einem ehemaligen Kapuzinerkloster aus dem 17. Jahrhundert, das sie 2021 bezogen haben. Es ist fast voll. Zugleich melden sich immer mehr junge Frauen aus Nordamerika.
Deshalb soll in Watkins (Colorado), östlich von Denver, ein zweites Noviziat entstehen, schon zum Ausbildungsjahr 2027/2028. Das Grundstück schenken die sechs Kinder von Gene und Shirley Linnebur, gut zwei Hektar gleich östlich der Kirche St. Isidore. Für das Vorhaben bitten die Verantwortlichen um das Gebet zur heiligen Franziska Xaviera Cabrini und zum heiligen Josef.
Das Mitteilungsblatt schließt seinen Bericht mit dem Satz: „All das zeigt eine erfreuliche Entwicklung auf, die die große Anziehungskraft der katholischen Tradition sichtbar macht.“
Pflanzstätten für den Altar
Die Seminare im heutigen Sinn gehen auf das Konzil von Trient zurück. Es verpflichtete in seiner 23. Sitzung am 15. Juli 1563 die Bischöfe, an ihren Kathedralen Kollegien für die Ausbildung künftiger Priester zu errichten, und nannte sie ein seminarium, eine Pflanzstätte der Diener Gottes. Ein Jahr später eröffnete der heilige Karl Borromäus in Mailand eines der ersten dieser Seminare. Im lateinischen Wort steckt der Same, semen.
Auch das Bild von der Ernte, das der Chronist in Zaitzkofen wählt, kommt aus dem Evangelium. Als der Herr die Volksmengen sah, die wie Schafe ohne Hirten waren, sprach Er von der großen Ernte und den wenigen Arbeitern und trug den Jüngern auf, den Herrn der Ernte um Arbeiter zu bitten (Mt 9,36 bis 38). Genau darum ist vor diesem Herbst ein Jahr lang gebetet und gepilgert worden. Nun stehen 13 junge Männer im Spiritualitätsjahr!
Dass ihre Rückkehr aus den Exerzitien mit einem Pontifikalamt zu Ehren des heiligen Papstes Pius X. gefeiert wird, hat seinen guten Grund. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum schrieb Pius X. am 4. August 1908 die Mahnschrift Haerent animo an den Klerus der ganzen Welt. Ihr Thema ist die Heiligkeit des Priesters, die aus dem beständigen Gebet und der täglichen Betrachtung wächst.
Wer in Wigratzbad, Zaitzkofen, Dillwyn oder Winona eintritt, lernt das heilige Messopfer in der Form kennen, in der die Kirche es jahrhundertelang dargebracht hat. Das Konzil von Trient lehrt, dass in der Messe dasselbe Opfer gegenwärtig wird wie am Kreuz, nur die Weise der Darbringung ist verschieden (22. Sitzung, Kap. 2). Für diesen Altar geben 36 junge Männer in Bayern und viele Dutzend in Amerika ihre Jugend hin.
Berufungen wachsen dort, wo die überlieferte Liturgie gelebt wird. Beten wir für die neuen Seminaristen in Wigratzbad und Zaitzkofen, für die Brüder in Winona und für die jungen Frauen, die in Watkins ihr Noviziat erwarten, dass Gott vollende, was Er in ihnen begonnen hat.
