Zugunglück bei Urda: Pfarrer von Los Yébenes erteilt die Generalabsolution

Certamen
Nach dem Zugunglück bei Urda mit mindestens 68 Toten sprach Pfarrer Fernando Fernández de Bobadilla alle Menschen in Todesgefahr von ihren Sünden los.
KI-generiertes Symbolbild: Ein Priester mit violetter Stola erhebt in einem Mandelhain die Hand zur Absolution, im Hintergrund ein verunglückter Zug und Rettungskräfte.
KI-generiertes Symbolbild

Als bei Urda zwei Züge verunglückten, war der Pfarrer des Nachbarorts Los Yébenes einer der Ersten an der Unglücksstelle. Fernando Fernández de Bobadilla tat dort, was kein Sanitäter und kein Feuerwehrmann tun kann: Er sprach alle, die in Todesgefahr waren, von ihren Sünden los. Die Kirche hat für diese Stunde seit jeher vorgesorgt.

Am Mittwoch, dem 28. Oktober, verunglückten bei Urda in der spanischen Provinz Toledo ein AVE-Hochgeschwindigkeitszug und ein Zug der Bahngesellschaft Iryo. Die Wochenzeitung Alfa y Omega meldete 68 Tote und 107 Verletzte. Endgültig steht die Zahl der Opfer noch nicht fest, am Tag danach suchten Hundestaffeln erneut in den Trümmern.

Spanien begeht drei Tage Staatstrauer. Aus Rom kam das Beileid von Papst Leo XIV.

Für Spanien ist es schon das zweite schwere Zugunglück in diesem Jahr. Am 18. Januar hatte es bei Adamuz in der Provinz Córdoba ein Unglück gegeben, auch dort stand ein Pfarrer mitten im Geschehen.

Querfeldein durch den Mandelhain

Fernando Fernández de Bobadilla ist Pfarrer von Los Yébenes im Erzbistum Toledo, einem der Orte nahe der Unglücksstelle. Er war am Morgen auf dem Weg ins Gesundheitszentrum, als ihn ein Anruf erreichte. Dort bestätigte sich die Nachricht. Der Priester stieg ins Auto und fuhr los, wie er der Zeitschrift Vida Nueva erzählte, und kam noch vor den meisten Rettungskräften an.

Die Guardia Civil bat ihn, an einer Kreuzung zu parken. Zwei bis drei Kilometer ging er zu Fuß über die Felder bis zu den Zügen.

„Was ich vorfand, war entsetzlich, Menschen, die umherirrten, Schwerverletzte und Tote am Boden“, sagte er Vida Nueva. Ein Wagen des AVE sei „vollständig aufgerissen, von oben bis unten aufgeschlitzt“ gewesen.

Mit lauter Stimme an alle in Todesgefahr

Der Pfarrer begriff, dass er allein niemanden versorgen konnte. Dann tat er, wozu er geweiht ist.

„Ich erteilte die Generalabsolution, wie man sie uns in der Theologie des Bußsakraments lehrt. In Katastrophenlagen können Generalabsolutionen erteilt werden, auch wenn es keine Einzelbeichte gibt. Also wandte ich mich mit lauter Stimme an alle, die in Todesgefahr waren.“

„Ich tat, was ich in diesem Augenblick tun zu können spürte und was in diesem Augenblick niemand außer mir tun konnte: die Vergebung der Sünden und sie darauf vorzubereiten, falls der Herr sie in den Himmel rufen sollte.“

Dass nicht jeder, der es gebraucht hätte, seine Stimme hören konnte, wusste er. Gegenüber Alfa y Omega sagte er: „Gott kann alle erreichen. Wenn meine Absicht mit der Seinen übereinstimmt, nämlich die ganze Menschheit zu retten, wird Er es auf Wegen tun, die nur Er kennt.“

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„Ich bin der Pfarrer und werde für dich beten“

Danach ging er zwischen den Verletzten umher, nahm Hände, sprach Mut zu und stellte sich den Sanitätern zur Verfügung. Er hielt Infusionsbeutel hoch, stützte den Kopf eines Verletzten und half, Menschen auf Tragen zu heben. Manchem sagte er einfach: „Ich bin der Pfarrer und werde für dich beten.“

Einer Amerikanerin, die nur Englisch sprach, sagte er in ihrer Sprache, er sei Priester und bete für sie. Sie lächelte, berichtete Alfa y Omega.

Zwei Beamte der Guardia Civil aus seinem Ort bahnten ihm später den Weg zu dem Teil der Unglücksstelle, wo der Iryo-Zug lag. „Viel mehr, als ein Totengebet nach dem anderen über all den Leichen zu sprechen, die aus dem Wagen geholt wurden, konnte ich nicht tun.“

Dort kam der Erzbischof von Toledo, Francisco Cerro, mit weiteren Priestern hinzu. „Als Priester konnten wir das tun; menschlich halfen wir daneben, wo man es uns sagte, beim Halten, Stützen, Lagern …“

Um zwei Uhr nachmittags verließ der Pfarrer die Unglücksstelle, nachdem die Verletzten fortgebracht waren. Am Abend hörte er Beichte, feierte die heilige Messe und hielt die Firmkatechese für Erwachsene. Am Morgen danach sagte er Alfa y Omega: „Die Messe heute Abend wird eine Totenmesse sein.“

Gehalten vom Herrn

Fernández de Bobadilla ist 71 Jahre alt. Im Juli 2025 wurde er an Bauchspeicheldrüsenkrebs operiert, danach bekam er über Monate eine Chemotherapie, berichtete Alfa y Omega. Er sagte von sich, er habe keine starken Beine. Stundenlang stand und hockte er an der Unglücksstelle, und er ist sich sicher: „Wenn der Herr, der mitten in alledem ist, mich nicht gehalten hätte, hätte ich es nicht geschafft.“

Über die Verletzten, die ihn kaum wahrnahmen, sagte er: „Auch wenn sie es nicht mitbekommen oder nicht bei Bewusstsein sind, schenkt Gott ihnen in einer so schweren Stunde Seine Güte und Barmherzigkeit.“

Sein geistlicher Lehrer, der Priester José Rivera, dessen Seligsprechungsverfahren läuft, habe ihm eingeprägt, „dass das Leben dazu da ist, es als Opfer darzubringen, nicht nur das eigene Leben, sondern auch das Leben der anderen zu nehmen und es Gott darzubringen, auch wenn sie es nicht merken“.

Im Januar hatte er dem Pfarrer von Adamuz, Rafael Prados, geschrieben, er solle sich erinnern, dass „der Schlüssel des Priestertums darin liegt, alles mit dem Opfer Jesu Christi darzubringen“. Nun kam aus Adamuz eine Nachricht zurück, die nach seinen Worten fast dasselbe sagte.

An die Öffentlichkeit richtete der Pfarrer eine Bitte: „dass wir die Menschen in Frieden leiden lassen, dass wir keine Kampagne machen. Niemandem hilft es, wenn wir Schuldige suchen, um sie zu verurteilen, und es richtet sehr viel Schaden an.“

Keine Seele soll verloren gehen

Was der Pfarrer im Mandelhain tat, ruht auf einer alten Lehre. Das Konzil von Trient behandelte am 25. November 1551 in seiner 14. Sitzung das Sakrament der Buße. Im siebten Kapitel geht es um die sogenannten vorbehaltenen Fälle, also um schwere Sünden, von denen nur der Bischof oder der Papst lossprechen kann.

Für die Todesstunde aber gilt eine Ausnahme, und zwar, wie das Konzil schreibt, „damit nicht jemand deswegen verloren gehe“. In der Kirche sei es immer fromm gehalten worden, dass es im Augenblick des Todes keinen Vorbehalt gibt und deshalb „alle Priester alle Büßer, wer sie auch seien, von allen Sünden und Kirchenstrafen jeder Art lossprechen können“.

Die Mutter Kirche zieht also gerade dort alle Grenzen zurück, wo ein Mensch an der Schwelle zur Ewigkeit steht. Kein Formular, keine Zuständigkeit und kein Amtsweg soll zwischen einer Seele und der Vergebung stehen. Welcher Priester gerade zur Stelle ist, der darf lossprechen!

Wo keine Zeit bleibt, jeden Einzelnen zu hören, darf der Priester viele zugleich lossprechen. Die Heilige Pönitentiarie hat das unter Papst Pius XII. am 25. März 1944 für Lagen unmittelbarer Todesgefahr festgehalten. Wer überlebt, bleibt verpflichtet, seine schweren Sünden später einzeln zu beichten. Ohne Reue nützt keine Lossprechung, auch das lehrt Trient in derselben Sitzung (Kap. 4).

Solche Szenen hat es oft gegeben. Am 2. Juli 1863 stieg Pater William Corby CSC, Feldgeistlicher der Irischen Brigade, bei Gettysburg auf einen Felsen und sprach die Soldaten vor dem Gefecht gemeinsam los. In den Schützengräben des Ersten Weltkriegs taten Feldgeistliche vor den Angriffen dasselbe. Bei Urda stand nun ein 71-jähriger Landpfarrer zwischen Mandelbäumen und Gleisen und rief die Lossprechung über alle aus, die in Todesgefahr waren.

Beten wir für die Opfer von Urda

Die Toten von Urda empfehlen wir der Barmherzigkeit Gottes: Requiem aeternam dona eis, Domine (Herr, gib ihnen die ewige Ruhe). Beten wir für die Verletzten, die in den Krankenhäusern um ihr Leben und ihre Gesundheit ringen, und für die Angehörigen, die einen geliebten Menschen verloren haben oder noch auf Nachricht warten.

Beten wir auch für die Priester, die in diesen Tagen Sterbende begleiten, Totenmessen feiern und Trauernde trösten, und für die Helfer, die an der Unglücksstelle stehen.

Ein alter, kranker Priester, der mit lauter Stimme die Vergebung der Sünden über ein Trümmerfeld ruft, zeigt, wozu das Priestertum da ist: für das Heil der Seelen, bis zur letzten Stunde.

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