Der Ablass im Franziskusjahr: so gewinnen Sie ihn

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Papst Leo XIV. hat für die Zeit vom 10. Januar 2026 bis zum 10. Januar 2027 ein Jahr des heiligen Franziskus ausgerufen. Die Apostolische Pönitentiarie hat dazu am 10. Januar 2026 ein Dekret erlassen, das einen vollkommenen Ablass gewährt. Er ist aus dem Ablass von Assisi hergeleitet, dem Portiuncola-Ablass, den Franziskus 1216 von Papst Honorius III. erbat.

Anders als jener ist dieser Ablass an keinen Tag gebunden. Sie können ihn an jedem Tag des Jubiläumsjahres gewinnen, einmal je Tag, und ihn einem Verstorbenen zuwenden.

Die Bedingungen

  1. Sakramentale Beichte. Sie muss nicht am selben Tag erfolgen. Nach kirchlicher Praxis genügt eine Beichte in einem Zeitraum von etwa zwei Wochen vor oder nach dem Werk, sofern der Beichtende in der Zwischenzeit nicht schwer sündigt.
  2. Eucharistische Kommunion. Für jeden vollkommenen Ablass ist eine eigene Kommunion erforderlich. Am besten empfangen Sie sie am Tag selbst.
  3. Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters. Dafür genügt je ein Vaterunser und ein Ave Maria.
  4. Der Besuch. Sie gehen als Pilger zu einer franziskanischen Konventskirche oder zu einer Kirche, die dem heiligen Franziskus geweiht oder mit ihm verbunden ist.
  5. Die Loslösung von jeder Sünde, auch von der lässlichen.

Die fünfte Bedingung ist die schwerste und wird am häufigsten missverstanden. Sie verlangt nicht, dass Sie ohne Schwäche wären. Verlangt ist die Entscheidung des Willens: dass Sie die Sünde nicht wollen und sie verabscheuen, auch die kleine, auch wenn Sie schwach bleiben. Wer diese Loslösung nicht aufbringt, gewinnt keinen vollkommenen, sondern einen unvollkommenen Ablass. Das ist kein Grund, den Weg zu lassen.

Was Sie in der Kirche tun

Das Dekret nennt zwei Wege. Entweder Sie nehmen andächtig an den Jubiläumsfeiern teil, die die Kirche ansetzt, also an der heiligen Messe, einer Andacht, einem Kreuzweg, dem Rosenkranz oder einer Bußfeier. Oder Sie verbringen, wenn dort nichts stattfindet, eine angemessene Zeit in frommer Betrachtung. Der zweite Weg genügt vollständig.

Verbindlich vorgeschrieben ist der Abschluss: das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis und Anrufungen der seligen Jungfrau Maria, des heiligen Franziskus von Assisi, der heiligen Klara und aller Heiligen der franziskanischen Familie. Welche Anrufungen das sind, legt das Dekret nicht fest. Die folgende Ordnung ist ein Vorschlag von Certamen; Sie sind an ihren Wortlaut nicht gebunden.

1. Stille Betrachtung und Bitte

Nehmen Sie sich Zeit vor dem Tabernakel. Das Dekret gibt die Bitte inhaltlich vor: dass nach dem Beispiel des heiligen Franziskus Gesinnungen christlicher Nächstenliebe und echte Wünsche nach Eintracht und Frieden unter den Völkern in den Herzen erwachen.

Herr Jesus Christus, Du hast den heiligen Franziskus arm und demütig gemacht und ihn zu einem Boten Deines Friedens bestellt. Wecke nach seinem Beispiel in unseren Herzen die Liebe zum Nächsten und ein aufrichtiges Verlangen nach Eintracht und Frieden unter den Völkern. Der Du lebest und herrschest in Ewigkeit. Amen.

2. Vaterunser

Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiliget werde Dein Name. Zu uns komme Dein Reich. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel. Amen.

3. Apostolisches Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Nachlassung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

4. Anrufung der Gottesmutter

Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit Dir. Du bist gebenedeiet unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht Deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Absterbens. Amen.

Oder, dem franziskanischen Gebrauch entsprechend:

Unter Deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin. Verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöten, sondern errette uns jederzeit von allen Gefahren, o glorwürdige und gebenedeiete Jungfrau. Amen.

5. Anrufungen der franziskanischen Heiligen

Vorbeter oder still:

Heilige Maria, Königin des Franziskanerordens – bitte für uns.
Heiliger Franziskus von Assisi – bitte für uns.
Heilige Klara von Assisi – bitte für uns.
Heiliger Antonius von Padua – bitte für uns.
Heiliger Bonaventura – bitte für uns.
Heiliger Bernhardin von Siena – bitte für uns.
Heilige Elisabeth von Thüringen – bitte für uns.
Heiliger Konrad von Parzham – bitte für uns.
Heiliger Leopold Mandić – bitte für uns.
Heiliger Maximilian Maria Kolbe – bitte für uns.
Heiliger Pius von Pietrelcina – bitte für uns.
Alle Heiligen und Selige der franziskanischen Familie – bittet für uns.

Wenn Sie es kürzer halten wollen, genügen Franziskus, Klara und die Anrufung aller Heiligen der franziskanischen Familie. Mehr verlangt das Dekret nicht.

6. Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters

Ein Vaterunser und ein Ave Maria für die Anliegen, die der Papst dem Gebet der Gläubigen empfiehlt.

Wenn Sie den Ablass einem Verstorbenen zuwenden

Der Ablass von Assisi wird traditionell für die Verstorbenen erworben, und das Dekret sieht diese Möglichkeit ausdrücklich vor. Es genügt der innere Entschluss, die Gnade einer bestimmten Seele zuzuwenden. Sprechen Sie den Namen aus:

Herr, gib ihm (ihr) die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm (ihr). Er (sie) ruhe in Frieden. Amen.

Diesen Ablass wende ich der Seele des N. zu.

Denken Sie an jemanden, dessen Name in Ihrer Familie kaum noch genannt wird. Für die Verstorbenen betet außer uns niemand mehr.

Für Kranke und Hausgebundene

Das Dekret sieht einen eigenen Weg vor für alte und kranke Menschen, für die, die sie pflegen, und für alle, die aus schwerem Grund das Haus nicht verlassen können. Sie verbinden sich geistlich mit den Feiern des Jubiläumsjahres, sprechen die Gebete dieser Seite und opfern Gott ihre Mühen und Leiden auf. Erforderlich sind die Loslösung von jeder Sünde und der Vorsatz, die drei gewöhnlichen Bedingungen zu erfüllen, sobald es möglich ist.

Eine geeignete Kirche finden

Infrage kommt jede Konventskirche der Franziskaner, Kapuziner oder Minoriten sowie jede Kirche, die dem heiligen Franziskus geweiht oder mit ihm verbunden ist. Im deutschen Sprachraum gibt es sie in fast jeder größeren Stadt, häufig mitten im Zentrum. Zwei Anhaltspunkte:

  • Kirchen mit dem Patrozinium St. Franziskus, St. Franz von Assisi oder Zu den heiligen Engeln
  • Klöster und Konvente der drei Orden. Ein Blick auf die Website der Pfarrei oder ein Anruf im Pfarrbüro klärt auch, ob und wann Beichtgelegenheit besteht.

Der Wortlaut des Dekrets

Dekret der Apostolischen Pönitentiarie vom 10. Januar 2026. Übersetzung von Certamen nach dem englischen Wortlaut; maßgeblich ist der amtliche Text. Die Fußnoten des Originals sind hier nicht wiedergegeben.

„Bewahrt das Andenken an unseren Vater und Bruder Franziskus, zum Lob und zur Ehre dessen, der ihn unter uns groß gemacht und ihn im Angesicht der Engel verherrlicht hat. Betet für ihn, wie er es einst von uns erbeten hat, und betet zu ihm, dass Gott auch uns mit ihm Anteil an seiner heiligen Gnade schenke.“

Während die Gnadenfrüchte des soeben zu Ende gegangenen Ordentlichen Jubiläums des Jahres 2025, in dem wir alle aufgerufen waren, Pilger jener Hoffnung zu werden, die nicht zuschanden werden lässt (vgl. Röm 5,5), noch gegenwärtig und wirksam sind, tritt als ideale Fortsetzung ein neuer Anlass zum Jubel und zur Heiligung hinzu: die achthundertste Wiederkehr des glücklichen Hinübergangs des heiligen Franziskus von Assisi aus dem irdischen Leben in seine himmlische Heimat (3. Oktober 1226).

In den vergangenen Jahren betrafen weitere bedeutende Jubiläen die Person und das Wort des Heiligen von Assisi: die achthundertste Wiederkehr der Errichtung der ersten Weihnachtskrippe in Greccio, der Abfassung des Sonnengesangs, jenes Hymnus auf die heilige Schönheit der Schöpfung, und der Einprägung der heiligen Wundmale, die sich auf dem Berg La Verna, fast einem neuen Kalvarienberg, zwei Jahre vor seinem Tod ereignete. Das Jahr 2026 wird den Höhepunkt und die Erfüllung all dieser vorangegangenen Feiern bezeichnen: es wird das Jahr des heiligen Franziskus sein, und wir alle sind berufen, nach dem Beispiel des seraphischen Patriarchen in der Welt von heute heilig zu werden.

Wenn es auf bewundernswerte Weise wahr ist, dass „den Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben ist“ (vgl. Apg 4,12) außer Jesus Christus, dem Erlöser der Menschheit, so ist es auf außerordentliche Weise ebenso wahr, dass zwischen dem zwölften und dem dreizehnten Jahrhundert, in einer Zeit der sogenannten heiligen Kriege, gelockerter Sitten und fehlgeleiteten religiösen Eifers, „der Welt eine Sonne geboren wurde“: Franziskus, der als Sohn eines reichen Kaufmanns arm und demütig wurde, ein wahrer alter Christus auf Erden, der der Welt greifbare Beispiele evangelischen Lebens und ein wirkliches Bild christlicher Vollkommenheit geschenkt hat. Unsere Zeit unterscheidet sich nicht sehr von jener, in der Franziskus lebte, und gerade deshalb sind seine Lehren heute vielleicht noch gültiger und verständlicher. Wenn die christliche Nächstenliebe erlahmt, die Unwissenheit sich wie ein Laster ausbreitet und jene, die die Eintracht unter den Völkern rühmen, dies mehr aus Eigennutz als aus aufrichtig christlichem Geist tun; wenn das Virtuelle den Vorrang über das Wirkliche gewinnt, gesellschaftliche Zwietracht und Gewalt zum Alltag gehören und der Friede von Tag zu Tag unsicherer und ferner wird: dann dränge dieses Jahr des heiligen Franziskus uns alle, jeden nach seinen Möglichkeiten, den Poverello von Assisi nachzuahmen, uns so weit wie möglich dem Vorbild Christi anzuformen und die Absichten des soeben vergangenen Heiligen Jahres nicht vergeblich werden zu lassen. Möge die Hoffnung, die uns als Pilger sah, sich nun in Eifer und Glut tätiger Liebe verwandeln.

„Und daran will ich erkennen, ob du den Herrn liebst und ob du mich liebst, seinen und deinen Diener, ob du nämlich dies tust: dass es auf der Welt niemals einen Bruder gebe, der so viel gesündigt hat, wie er nur sündigen konnte, und der, nachdem er deine Augen gesehen hat, ohne dein barmherziges Verzeihen von dir weggeht, wenn er darum bittet.“

Mit diesen außergewöhnlichen Worten aus der Epistola ad quendam ministrum spendet der heilige Franziskus nicht nur Trost und Rat einem namenlosen Mitbruder, sondern umreißt und betont vor allem den grundlegenden Begriff der Barmherzigkeit, der mit dem der Vergebung und des Ablasses unlöslich verbunden ist. Und gerade diese Vergebung, der bekannte „Ablass von Assisi“ oder „Portiuncola-Ablass“, hat Papst Honorius III. dem heiligen Franziskus als außerordentliches Privileg unmittelbar gewährt: für jene, die nach Beichte und Kommunion am 2. August eine alte Kirche bei Assisi besuchen, die achthundert Jahre zuvor auf einem „kleinen Stück Land“ errichtet worden war, woher der Name Portiuncola stammt.

Mit demselben großherzigen Enthusiasmus und derselben Freude, die der Heilige der bei der Weihe der Portiuncola versammelten Menge ausstrahlte, als er die gewährte Gnade verkündete, nachdem er seine Bitte vom Stellvertreter Christi erhört sah, bestimmt Seine Heiligkeit Papst Leo XIV., Diener unseres Glaubens und unserer Freude, dass vom 10. Januar 2026, zusammenfallend mit dem Abschluss des Ordentlichen Jubiläums, bis zum 10. Januar 2027 ein besonderes Jahr des heiligen Franziskus ausgerufen werde, in dem jeder christgläubige Mensch nach dem Beispiel des Heiligen von Assisi ein Vorbild der Heiligkeit des Lebens und ein beständiger Zeuge des Friedens werde.

Zur vollkommeneren Erreichung der angestrebten Ziele gewährt die Apostolische Pönitentiarie kraft dieses Dekrets, das gemäß dem Willen des Papstes erlassen wird, aus Anlass des Jahres des heiligen Franziskus einen vollkommenen Ablass unter den gewöhnlichen Bedingungen (sakramentale Beichte, eucharistische Kommunion und Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters), der auch fürbittweise den Seelen im Fegefeuer zugewendet werden kann:

1) den Mitgliedern

  • der franziskanischen Familien des Ersten, Zweiten und Dritten Ordens, der regulierten wie der weltlichen;
  • der Institute des geweihten Lebens, der Gesellschaften apostolischen Lebens und der öffentlichen oder privaten Vereinigungen von Gläubigen, Männern und Frauen, die die Regel des heiligen Franziskus befolgen, von seiner Spiritualität inspiriert sind oder sein Charisma in irgendeiner Form weitertragen;

2) allen Gläubigen ohne Unterschied, die mit einem von der Sünde losgelösten Herzen am Jahr des heiligen Franziskus teilnehmen, indem sie pilgerweise eine franziskanische Konventskirche oder einen Ort der Gottesverehrung irgendwo auf der Welt besuchen, der dem heiligen Franziskus geweiht oder aus irgendeinem Grund mit ihm verbunden ist, und dort andächtig den Jubiläumsriten folgen oder wenigstens eine angemessene Zeit in frommer Betrachtung verbringen und Gebete zu Gott erheben, damit nach dem Beispiel des heiligen Franziskus Gesinnungen christlicher Nächstenliebe gegenüber dem Nächsten und aufrichtige Wünsche nach Eintracht und Frieden unter den Völkern in ihren Herzen erblühen, und die abschließen mit dem Vaterunser, dem Glaubensbekenntnis und Anrufungen der seligen Jungfrau Maria, des heiligen Franziskus von Assisi, der heiligen Klara und aller Heiligen der franziskanischen Familie.

Auch die alten Menschen, die Kranken und jene, die sie betreuen, sowie alle, die aus schwerwiegenden Gründen ihre Wohnung nicht verlassen können, können einen vollkommenen Ablass erlangen, sofern sie sich von jeder Sünde lösen und den Vorsatz haben, die drei gewöhnlichen Bedingungen zu erfüllen, sobald es möglich ist, wenn sie sich geistlich mit den Jubiläumsfeiern des Jahres des heiligen Franziskus verbinden und dem barmherzigen Gott ihre Gebete sowie die Mühen und Leiden ihres Lebens darbringen.

Damit diese Möglichkeit, göttliche Gnade durch die Vollmacht der Schlüssel der Kirche zu erlangen, leichter verwirklicht werden kann, ersucht diese Pönitentiarie nachdrücklich alle Priester, Ordens- wie Weltpriester, die über die entsprechenden Vollmachten verfügen, sich in bereiter, großzügiger und barmherziger Gesinnung für die Feier des Sakraments der Versöhnung zur Verfügung zu stellen.

Dieses Dekret gilt für das Jahr des heiligen Franziskus, ungeachtet jeder gegenteiligen Bestimmung.

Gegeben zu Rom, vom Sitz der Apostolischen Pönitentiarie, am 10. Januar 2026, am Vorabend des Festes der Taufe des Herrn.

Angelo Kard. De Donatis
Kardinal-Großpönitentiar

Krzysztof Józef Nykiel
Titularbischof von Velia, Regens