Vom 7. bis 14. Oktober 2026 kommen im Vatikan Papst Leo XIV., die Oberhäupter der katholischen Ostkirchen eigenen Rechts und die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zusammen. Beraten wird, wie das Evangelium heute den Familien verkündet werden kann, „im Licht von Amoris Laetitia“, wie es in der Ankündigung heißt.
Der italienische Historiker Roberto de Mattei hat das Treffen zum Anlass für einen Beitrag in der Corrispondenza Romana genommen. Auf Englisch erschien er am 23. September bei Rorate Caeli, unter dem Titel „Die höchste Bestimmung des Menschen“.
Barmherzigkeit und der Stand der Gnade
Zur Vorbereitung verschickten das Generalsekretariat der Bischofssynode und das Dikasterium für Laien, Familie und Leben am 6. Juli einen Themenweg an die Ortskirchen. Sein vierter Punkt fragt, wie Gemeinden wachsen können, in denen sich Menschen nach Trennung und Scheidung „wirklich angehört“ fühlen.
De Mattei nimmt das Anliegen ernst. Die katholische Moraltheologie habe immer zwischen der objektiven Schwere einer Tat und der persönlichen Schuld unterschieden, schreibt er, denn Unwissenheit, Furcht oder eingewurzelte Gewohnheiten können die Verantwortung mindern. Offen bleibe aber, ob aus dem klugen Urteil eines Beichtvaters eine kirchliche Praxis werden dürfe, die Menschen zur Eucharistie zulässt, die „weiterhin öffentlich in einem Zustand leben, der einem göttlichen Gebot widerspricht, ohne die Absicht, ihn aufzugeben“.
Seine Hoffnung für Oktober formuliert er klar. Wer sich in einer objektiv schweren Sünde befindet, soll die Eucharistie erst nach Reue, sakramentaler Lossprechung und dem Vorsatz zur Lebensänderung empfangen.
Diese Ordnung reicht bis zum Apostel Paulus zurück. Wer unwürdig vom Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich nach dem Ersten Korintherbrief am Leib und Blut des Herrn schuldig (1 Kor 11,27 bis 29). Das Konzil von Trient lehrte 1551 daraus, dass sich jeder vor der Kommunion prüfen und, wer sich einer Todsünde bewusst ist, zuvor beichten muss (13. Sitzung, Kap. 7 und can. 11).
Himmel und Hölle als Horizont der Seelsorge
Den tieferen Grund für viele zerbrochene Ehen sieht de Mattei im verlorenen Sinn der Ehe und darin, dass viele Hirten das Ziel des menschlichen Lebens nicht mehr zusammenhängend predigen. Die Kirche sei „gewiss eine Mutter, die aufnimmt und Wunden heilt“. Vor allem aber habe Jesus Christus sie gegründet, um die Wahrheit zu bewahren, die Sakramente zu spenden und den Menschen die Mittel zum ewigen Heil zu geben.
Für das Gericht nach dem Tod beruft er sich auf den heiligen Thomas von Aquin. Die vom Leib getrennte Seele gehe, erleuchtet über ihre Verdienste und Verfehlungen, „gleichsam von selbst an den Ort ihrer Ewigkeit“ (Summa Theologiae, Suppl., q. 69, a. 2).
Die Antwort auf die Krise der Familie liegt für de Mattei darin, den Menschen das Vertrauen in die Kraft der Gnade zurückzugeben, die „alles vermag, selbst das, was menschlich unmöglich scheint“.
In der überlieferten Messe betet der Priester vor seiner Kommunion, der Empfang des Leibes Christi möge ihm nicht zum Gericht und zur Verdammnis gereichen, sondern zum Schutz für Geist und Leib und zur Heilung. In diesem Gebet hält die Kirche Wahrheit und Barmherzigkeit zusammen. Der Weg zum Altar führt für den Sünder über den Beichtstuhl, und er steht jedem offen, der umkehren will.
