Heute gedenkt die Kirche des heiligen Kaisers Heinrich II., der vor über tausend Jahren vorlebte, wie weltliche Macht dem Glauben dienen kann. Er förderte die Reform von Cluny, setzte auf dem Konzil von Pavia im Jahr 1022 die Zölibatspflicht der Kleriker durch und stiftete Bistümer und Klöster. Sein Leben ist ein Vorbild katholischer Staatskunst, das gerade in einer säkularen Gegenwart neu entdeckt werden muss.
Heinrich II. wurde um 973 geboren, der Überlieferung nach auf der Burg Abbach bei Regensburg oder in Hildesheim. Von 1002 bis 1024 war er König des Ostfrankenreichs, ab 1004 auch König von Italien und nach seiner Kaiserkrönung durch Papst Benedikt VIII. im Jahr 1014 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.
Mit seiner Frau Kunigunde von Luxemburg ist er das einzige deutsche Herrscherpaar, das von der Kirche zur Ehre der Altäre erhoben wurde. Die Verbindung blieb kinderlos, und die Legende will wissen, dass beide in Keuschheit lebten.
Erzogen wurde Heinrich von den Mönchen in Hildesheim und später in Regensburg dem heiligen Bischof Wolfgang anvertraut. Diese zutiefst christliche Prägung blieb sein Leben lang die Grundlage seines Regierens.
Schon 1003, bald nach seiner Königskrönung in Mainz, begann er sich als „Bruder der Mönche“ zu verstehen. Die Kirche und ihre Bischöfe waren ihm nicht nur geistliche Stütze, sondern auch politisches Rückgrat gegen die Macht des Adels. Die strenge Beachtung kirchlicher Vorschriften wurde zum Fundament seiner Königsautorität.
Heinrichs Verbindung zur Reform von Cluny, die im 10. Jahrhundert vom burgundischen Benediktinerkloster ausging war besonders eng: Einerseits wurde dadurch die Ordensregel wieder strenger beachtet, andererseits wurde die Frömmigkeit bei der Feier des Gottesdienstes vertieft und die Klöster wurden von der Bevormundung durch weltliche Herren befreit.
Sein Berater in dieser Sache war der heilige Odilo, Abt von Cluny, persönlich. Nach seinem dritten und letzten Italienzug besuchte Heinrich Odilo in Cluny und ließ sich dort als Laienbruder in die Klostergemeinschaft aufnehmen. Dies war ein Zeichen dafür, wie sehr sich der Kaiser der monastischen Erneuerung persönlich verpflichtet fühlte.
Im August 1022 nahm Heinrich gemeinsam mit Papst Benedikt VIII. am Konzil von Pavia teil. Auf dem Konzil wurde das Konkubinat der Priester verurteilt und der Verlust von Kirchenvermögen durch erbberechtigte Priesterkinder beklagt. Heinrich erhob die Beschlüsse in den Rang eines Reichsgesetzes und setzte damit die Zölibatspflicht der Kleriker mit dem vollen Gewicht seiner kaiserlichen Autorität durch.
Dabei ging es ihm nicht nur um kirchliche Disziplin, sondern auch um den Schutz des Kirchenguts. Dieses drohte zunehmend an weltliche Familien zu verloren gehen, da immer mehr Priester Kinder hatten.
Mit Bistums- und Klostergründungen schrieb Heinrich auch die Schönheit des Glaubens in seine Politik ein. So stellte er 1006 das Bistum Merseburg wieder her und gründete 1007 das Bistum Bamberg, wo er bereits ab 1002 den Petrus geweihten Dom nach dem Vorbild von St. Peter in Rom errichten ließ.
In Hildesheim stiftete er die Klosterkirche St. Michael, deren monumentaler Bau bis heute Grundlage der Redensart vom „Deutschen Michel“ ist. Gemeinsam mit Kunigunde stiftete er das Münster in Basel.
Während seiner zweiundzwanzigjährigen Regierungszeit besetzte Heinrich zweiundsechzig Bischofsstühle mit engen Vertrauten und verlieh dem Reich damit eine innere Stabilität. Aus dieser erwuchsen Werke der Buchmalerei, der Goldschmiedekunst und der Architektur.
Der Kaiser an der Himmelspforte
Laut einer Überlieferung erlebte Heinrich ein Wunder, das ihm schließlich die Ehre der Altäre einbrachte: An der Himmelspforte soll der Erzengel Michael mit dem Teufel um die Seele des verstorbenen Kaisers gerungen haben.
Die Waage neigte sich gefährlich in Richtung Verdammnis, während die Taten Heinrichs auf der Waage lagen. Doch dann erschien der heilige Laurentius und warf einen Kelch in die Waagschale, jenen Kelch, den Heinrich einst dem jungen Bistum Merseburg geschenkt hatte.
Da neigte sich die Waage zum Guten, und dem Kaiser stand das Tor zum Himmel offen. Dieses „Merseburger Wunder“ zählte im Mittelalter zu den meistverbreiteten Überlieferungen über Heinrich. Papst Eugen III. sprach ihn am 4. März 1146 heilig.
In einer Zeit, in der sich die weltliche Macht allzu oft an vergänglichen Interessen orientiert, ist Heinrich II. ein Vorbild, das neu entdeckt werden muss. Sein Leben zeigt, dass Macht nicht im luftleeren Raum steht, vielmehr ist sie an Verantwortung gebunden, Verantwortung vor Gott und für das Heil der Seelen der Menschen, die ihm anvertraut wurden.
