In Frankreich hat sich die Zahl der Erwachsenentaufen in zehn Jahren mehr als verdreifacht. Drei berühmte Bekehrungen erzählen, wie Menschen in die Kirche finden. Den ersten Schritt tat immer Gott.
Warum werden Menschen katholisch? Papst Leo XIV. begegnete am 26. September in Paris Katechumenen und Neugetauften. Ihre Erfahrung und ihr Zeugnis nannte er „das greifbare Zeichen des Wirkens der Gnade Gottes, das die numerischen und soziologischen Analysen übersteigt“.
Zu Ostern 2026 wurden in Frankreich nach Angaben der Bischofskonferenz 13.234 Erwachsene getauft, mehr als dreimal so viele wie 2016. In den Vereinigten Staaten trat die Influencerin Kelly Ingram zu Ostern mit ihrer Familie in die Kirche ein, nach Angaben von kath.net auf der Suche nach Wahrheit. Der Philosoph Joseph Schmid, Doktorand in Princeton, kehrte im August in die Kirche zurück . Gegenüber EWTN News nannte er die Bekehrung „ein Geschenk der Gnade Gottes“.
Was Suchende in der Kirche finden, zeigen drei Wege aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Newman kam über die Geschichte, Edith Stein über das Leben einer Heiligen, Claudel über die Schönheit der Liturgie. Am Anfang stand jedes Mal die Gnade Gottes.
Littlemore, 9. Oktober 1845
Newmans Weg führte durch die Geschichte. Anfang 1845 begann er in Littlemore ein Buch über die Entwicklung der christlichen Lehre und arbeitete, wie er in der Apologia pro vita sua (1864) schrieb, das ganze Jahr bis zum Oktober daran. In der Einleitung stellte er fest, dass der englische Volksglaube die zwölf langen Jahrhunderte zwischen den Konzilien von Nicäa und Trient kaum zur Kenntnis nehme. Daraus zog er den Satz: „Tief in der Geschichte zu stehen, heißt aufhören, Protestant zu sein.“
Je weiter Newman kam, desto mehr lösten sich seine Schwierigkeiten. „Ehe ich zum Ende kam, beschloss ich, aufgenommen zu werden, und das Buch blieb in dem Zustand, in dem es damals war, unvollendet.“
Am 8. Oktober 1845 schrieb er an Freunde: „Ich erwarte heute Nacht Pater Dominikus, den Passionisten.“ Er nannte ihn „einen einfachen, heiligen Mann“. Der Italiener war nach England gekommen, um das Land für den katholischen Glauben zu gewinnen, und traf spät am Abend durchnässt von der Reise in Littlemore ein.
In dieser Nacht begann Newman seine Generalbeichte. Am Abend des 9. Oktober nahm Barberi ihn in der Kapelle von Littlemore in die Kirche auf.
Was danach kam, beschrieb Newman in der Apologia so: „Ich bin in vollkommenem Frieden und Zufriedenheit gewesen; ich habe nie einen Zweifel gehabt.“ Einen Wandel im Denken oder im sittlichen Leben habe er bei der Aufnahme nicht bemerkt. Es sei gewesen „wie das Einlaufen in den Hafen nach rauer See“.
Die Kirche zählt Newman heute zu ihren Heiligen und Kirchenlehrern, Dominikus Barberi zu den Seligen.
Eine Nacht in Bad Bergzabern
Edith Stein fand den Glauben im Leben einer Heiligen. Als Tochter jüdischer Eltern in Breslau geboren, hatte sie mit vierzehn Jahren den Glauben ihrer Väter verloren und sich selbst eine Atheistin genannt. Sie promovierte 1916 in Freiburg bei Edmund Husserl und wurde seine Assistentin.
Im Sommer 1921 war sie bei ihrer Freundin Hedwig Conrad-Martius in Bad Bergzabern zu Gast. Das Ehepaar war auswärts, und Edith Stein durfte sich aus dem Bücherschrank nehmen, was sie wollte. Ihre spätere Priorin Teresia Renata Posselt hat überliefert, wie sie davon erzählte:
„Ich griff hinein aufs Geratewohl und holte ein umfangreiches Buch hervor. Es trug den Titel: ‚Leben der heiligen Teresa von Avila‘, von ihr selbst geschrieben. Ich begann zu lesen, war sofort gefangen und hörte nicht mehr auf bis zum Ende.“
Die ganze Nacht hindurch hatte sie gelesen. Als sie das Buch schloss, sagte sie sich nach diesem Bericht: „Das ist die Wahrheit.“
Noch am selben Morgen kaufte sie einen Katechismus und ein Schott-Messbuch. Als sie beides studiert hatte, besuchte sie in der Pfarrkirche die heilige Messe. „Nichts blieb mir fremd, dank der vorhergehenden Studien verstand ich auch die kleinste Zeremonie.“
Danach folgte sie dem Priester ins Pfarrhaus und bat um die Taufe. Er wandte ein, dem müsse eine Vorbereitung vorangehen. Sie erwiderte: „Bitte, Hochwürden, prüfen Sie mich.“
Am Morgen des 1. Januar 1922 empfing Edith Stein in der Pfarrkirche St. Martin die Taufe. Ihre protestantische Freundin Hedwig Conrad-Martius stand ihr als Patin zur Seite, und sie wählte die Namen Teresia Hedwig.
Elf Jahre später trat sie in den Kölner Karmel ein und nahm den Namen Teresia Benedicta vom Kreuz an. Am 9. August 1942 wurde sie in Auschwitz ermordet. Heute verehrt die Kirche sie selbst als Heilige.
Vesper in Notre-Dame
Bei Paul Claudel war es die Schönheit der Liturgie. Er war katholisch getauft, hatte aber am Lycée Louis-le-Grand den Glauben verloren. Am 25. Dezember 1886 ging der Achtzehnjährige nach Notre-Dame de Paris. Von den Zeremonien erhoffte er sich, wie er 1913 schrieb, „einen passenden Reiz und den Stoff für einige dekadente Übungen“.
Nach dem Hochamt kehrte er aus Mangel an Besserem zur Vesper zurück. Die Sängerknaben der Maîtrise in weißen Gewändern und die Schüler des Kleinen Seminars von Saint-Nicolas-du-Chardonnet sangen, was er später als das Magnificat erkannte. Claudel stand in der Menge nahe dem zweiten Pfeiler am Eingang des Chors. Dann trat ein, was er das „Ereignis, das mein ganzes Leben beherrscht“ nannte.
„Im Nu wurde mein Herz berührt, und ich glaubte. Ich glaubte, mit einer solchen Kraft der Zustimmung, mit einer solchen Erhebung meines ganzen Wesens, mit einer so mächtigen Überzeugung, mit einer solchen Gewissheit, die keinen Raum für irgendeinen Zweifel ließ, dass seither alle Bücher, alle Überlegungen, alle Zufälle eines bewegten Lebens meinen Glauben nicht erschüttern konnten, ja ihn, um die Wahrheit zu sagen, nicht einmal berührten.“
Was in diesem Augenblick in ihm vorging, fasste er in Sätze: „Wie glücklich sind die Menschen, die glauben! Und wenn es doch wahr wäre? Es ist wahr! Gott existiert, Er ist da.“
Vier Jahre dauerte sein Widerstand. Alle Sonntage verbrachte er in Notre-Dame, und von der Messe schrieb er: „Ich konnte mich an dem Schauspiel der Messe nicht sattsehen, und jede Bewegung des Priesters prägte sich tief in meinen Geist und mein Herz ein.“ Es war die Messe, die heute die überlieferte heißt. Am 25. Dezember 1890 empfing er in Notre-Dame seine zweite Kommunion.
Nimm und lies
In einem Garten in Mailand warf sich Augustinus unter einen Feigenbaum und weinte. Da hörte er aus dem Nachbarhaus die Stimme eines Knaben oder Mädchens: „Nimm und lies, nimm und lies.“ Er schlug die Briefe des Apostels auf, und schon am Ende des Satzes, den er las, „strömte das Licht der Sicherheit in mein Herz ein, und alle Zweifel der Finsternis verschwanden“ (Bekenntnisse VIII, 12).
Leo XIV., selbst Augustiner, zählte ihn in Paris zu den berühmtesten Katechumenen der Geschichte. Sein Glaube sei bei der Taufe kaum ein kleiner Same gewesen und zu einem Baum gewachsen, unter dessen Laub man noch heute Trost finde.
Teresa von Ávila erzählt in ihrem Leben, wie sie die Bekenntnisse las und zur Bekehrung des Augustinus kam: „da meinte ich nicht anders, als daß der Herr die nämliche Stimme auch mich in meinem Herzen vernehmen ließ“ (Leben, Kap. 9). Augustinus las Paulus, Teresa las Augustinus, und Edith Stein las Teresa.
Die Kirche lehrt, dass schon der Anfang dieses Weges ein Geschenk ist. Nach dem Konzil von Trient geht bei Erwachsenen der Anfang der Rechtfertigung von der zuvorkommenden Gnade Gottes aus, von seinem Ruf, dem kein Verdienst vorausgeht (6. Sitzung, Kap. 5). Der Mensch stimmt dieser Gnade frei zu und wirkt mit ihr zusammen. Aus eigener Kraft kann er sich nicht zur Gerechtigkeit vor Gott bewegen.
In allen drei Geschichten kam der Ruf zuerst.
Die Ruhe, die Newman als Einlaufen in den Hafen beschrieb, hatte Augustinus am Anfang der Bekenntnisse gefasst: „unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir“ (I, 1). Edith Stein fand die Wahrheit, die sie jahrelang gesucht hatte, Claudel die Schönheit einer Messe, an der er sich nicht sattsehen konnte.
Menschen werden katholisch, weil Gott sie ruft und die Kirche ihnen gibt, was sie suchen: Wahrheit, Schönheit und Gnade.
Möge der heilige Augustinus für alle eintreten, die in diesen Wochen um die Taufe bitten, damit sie in der Kirche finden, was Newman, Edith Stein und Claudel in ihr gefunden haben.
